Helpedia unterstützen!

Mikrokredit-Zinsen

Da ich in aufgrund meiner kleinen Artikelserie über die Grameen Bank wiederholt auf die Hintergründe sowie Sinn und Unsinn der Mikrokredit- bzw. Mikrofinanzbewegung angesprochen wurde, will ich hier zumindest ganz kurz auf einen der Hauptvorwürfe eingehen.

Ein immer wieder aufkommender Kritikpunkt besteht darin, dass man den oft bitterarmen Menschen keine Zinssätze von 20% oder mehr zumuten könne. Im ersten Moment mag das in der Tat unmenschlich klingen, aber ich bin der festen Überzeugung, dass dies, gerade im Sinne der besagten Zielgruppe, nicht nur sinnvoll, sondern sogar notwendig ist.

Erst einmal muss man sich klarmachen, dass der Personalaufwand, um seriös über einen Kreditantrag zu entscheiden, unabhängig davon ist, ob man nun 50.000€ oder nur 50€ zu verleihen gedenkt. Ein gewichtiger Unterschied besteht allerdings darin, dass ein Zinssatz von 10%, auf 50.000€ bezogen, zu stattlichen Einnahmen von immerhin 5.000€ führt. Diese sind, selbst nach Abzug eventueller Refinanzierungskosten, ausreichend um einen entsprechenden Kreditsachbearbeiter den einen oder anderen Tag zu beschäftigen. 10% von 50€ sind hingegen nur 5€ und damit kommt man auch in Bangladesch nicht sehr weit. In absoluten Zahlen gesehen sind die Zinsen, die von den meisten Mikrofinanzinstitutionen verlangt werden, also sogar verdammt niedrig. Dies fällt auch auf, wenn man sie mit den Sätzen der häufig einzigen Alternative, nämlich den klassischen Kredithaien, vergleicht. Diese verlangen nicht selten 1000% oder mehr pro Jahr. Es ist außerdem wichtig zu berücksichtigen, dass die Investitionen, die aus den Mikrokrediten finanziert werden, in den meisten Fällen hoch profitabel sind. Oftmals wird es den KreditnehmerInnen durch eine entsprechende Investition überhaupt erst möglich, ihre Arbeitskraft produktiv einzusetzen. So banal es klingt, aber einen Schuhputzkasten oder eine Rikscha zu haben oder nicht zu haben macht einen riesigen Unterschied. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital bei derartigen Mikroinvestitionen liegt in der Regel bei weit über 100% pro Jahr und ist somit deutlich höher als die Zinssätze sämtlicher Mikrofinanzinstitutionen.

Natürlich kann man immer noch argumentieren, dass es dennoch fair wäre, den armen Menschen keine Zinsen aufzudrücken, selbst wenn sie diese zurückzahlen können. Auch hier bin ich allerdings anderer Meinung und glaube, es wäre gerade für die Menschen, die man eigentlich unterstützen möchte, fatal, darauf zu verzichten. Ohne Zinsen hat keine Finanzinstitution auch nur die Aussicht, jemals aus der Abhängigkeit von externen Zuschüssen auszubrechen. Da derartige Fördergelder aber extrem begrenzt sind, würde es Jahrzehnte dauern, bis der riesige Kapitalbedarf der geschätzt 500 Millionen KleinstunternehmerInnen in Schwellen- und Entwicklungsländern durch Spenden oder staatliche Zuschüsse gedeckt würde. Wenn man also darauf verzichtet, Zinsen zu nehmen, um damit die laufenden Kosten zu decken sowie Investitionen in neue Filialen und Mitarbeiter zu finanzieren, trägt man zumindest indirekt dazu bei, weiterhin Millionen armer Menschen den Zugang zu Krediten und damit oftmals auch die Chance auf eine bessere Zukunft zu verwehren.

Wer noch immer Zweifel hat, dem möchte ich bitten, einen Blick in meine Diplomarbeit von 2004 zu werfen, in der ich mich noch etwas intensiver mit dieser Frage auseinander gesetzt habe:

Sorry, leider nur in (schlechtem) Englisch vorhanden.Wenn’s noch Fragen gibt, dann immer her damit!

Ein Kommentar zu “Mikrokredit-Zinsen”

  1. Helpedia - Blog » Blog Archive » Kritik an Kiva!?

    [...] verhältnismäßig hoch liegen (wer hier mehr wissen will, kann gerne einen Blick in meine Diplomabreit über Mikrokredit-Zinsen werfen). Dies wird in der Fachwelt auch nicht kritisiert, ganz im Gegenteil. Der eigentliche [...]

Komentieren

XHTML: Folgende Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>


Schliessen
E-mail