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Von der Grameen Bank zu Helpedia (3. Teil)

Willkommen zum 3. und letzten Teil meiner kleinen Blog-Serie über meine Erfahrungen mit der Grameen Bank in Bangladesch.

Um zu “Von der Grameen Bank zu Helpedia (1. Teil)” bzw. zu “Von der Grameen Bank zu Helpedia (2. Teil)” gelangen, folgt einfach den Links.

Zurück in Dhaka und nach einem wohlverdienten (?) Ruhetag besichtigten wir ein Grameen-Bank-Nachahmerprogramm in der Nähe meines Hotels. Auch hier das gleiche Bild. Es ist erstaunlich zu sehen, dass man armen Menschen keinen Job oder eine Ausbildung zu geben braucht, um ihre Lebenssituation zu verbessern. Man muss ihnen einfach etwas Geld überlassen, und sie werden schonEssen in Bangladesch Mittel und Wege finden, dieses produktiv einzusetzen. Statt wie andere Hilfsprogramme zu versuchen, die Armen mit neuen Fähigkeiten auszustatten, baut die Grameen Bank auf den bestehenden auf und ist damit sehr erfolgreich. Laut einer Studie der Welt Bank durchbrechen jedes Jahr 5% der Kreditnehmerinnen und deren Familien die Armutsgrenze, und einer bereits erwähnten internen Untersuchung zu Folge, haben dies insgesamt schon fast die Hälfte der Kundinnen geschafft. Am nächsten Abend (es war mein Geburtstag, was jedoch niemand wusste) haben die gute Kashfia und deren Familie alle Teilnehmer besagten Ausflugs und eine australische Praktikantin zum Abendessen eingeladen. Selten so gut gegessen!! Auch die Atmosphäre war sehr, sehr nett, und ich kam mir aufgrund der vielen internationalen Gäste mal wieder vor wie auf nem kleinen UN-Gipfel. Auch die etwas eigentümlichen Tischsitten konnten der guten Laune keinen Abbruch tun. Zum einen pflegt man hier mit den Händen zu essen, zum anderen nehmen die Gastgeber nicht zusammen mit den Gästen am Tisch Platz, sondern stehen während des gesamten Essens darum herum und fragen alle 20 Sekunden, ob man irgendeinen Wunsch habe. Tja, andere Länder andere Sitten… ;-). Auf der Fahrt ins Hotel hatte sich dann doch noch rumgesprochen, was vor genau 24 Jahren passiert ist, und so ließen es sich die Repräsentanten der Karibik nicht nehmen, mir ein Geburtstagslied nach dem anderen zu singen, so dass mir doch noch gehuldigt wurde wie es gut und richtig ist ;-).

Bevor ich auf aktuelle Ereignisse zu sprechen komme, will ich noch kurz kundtun, inwiefern mich die beobachtete Armut berührt hat.

Bangladesch ist das ärmste Land, welches ich bisher besucht habe. Obwohl Hungersnöte größeren Ausmaßes in den letzten JahrenBettlerinnen? Nein, Kundinnen!nicht mehr vorgekommen sind, gibt es nach wie vor eine Vielzahl von Menschen die unterernährt sind und von 3 Mahlzeiten am Tag nur träumen können. Man muss kein Ernährungswissenschaftler sein, um dies zu bemerken, für jeden der mit offenen Augen durch dieses Land geht ist es offensichtlich. In Dhaka werde ich jeden Tag von zahlreichen Bettlern angesprochen, von denen viele so verstümmelt sind, wie ich es bisher noch nicht gesehen habe. Kinderarbeit ist gang und gebe, und wenn ich abends durch die Strassen gehe, sehe ich, wie es sich einzelne Menschen, teilweise aber auch ganze Familien, auf dem Asphalt „bequem“ machen. Darunter ebenfalls Kinder, die um diese Zeit eigentlich mit ihren Eltern streiten sollten, ob sie noch etwas fernsehen dürfen, bevor sie in IHR Bett in IHREM Zimmer gehen. Für diese Personen wie auch für die bereits erwähnten Bettlerinnen in den Dörfern wird es jedoch erst richtig schwierig, wenn ihnen irgendetwas zustößt (Unfall, Alter, Krankheit). Oft bleibt ihnen dann nichts anderes als zu beten und auf ein besseres Leben nach dem Tod zu hoffen.

Eine der Besucherinnen aus der Dominikanischen Republik sagte, sie war den Tränen nahe, als sie dies sah, und eine andere Praktikantin berichtete, dass sie sich nach einem Aufenthalt in einem der Slums in Dhaka (welche ich zugegeben noch nicht gesehen habe) körperlich derartig angeschlagen gefühlt hat, dass sie sich hinlegen musste.

Tja, wie soll ich sagen, außer hier und da einen kleinen Anflug von Wut über den Zustand dieser Welt hat Basti Schwiecker dies alles kalt gelassen.

Wie passt jetzt das zusammen? Da betreibe ich einen riesigen Aufwand, um nach Bangladesch zu kommen, um für besagte Organisation zu arbeiten und habe darüber hinaus auch noch vor, den Rest meines Lebens mehr oder weniger derBlick von meinem Dach Armutsbekämpfung zu widmen. Und da lässt mich das Schicksal der Betroffenen kalt? Na ja, ganz kalt lässt es mich natürlich nicht, und das Gesehene verstößt durchaus gegen mein Gerechtigkeitsempfinden, auch wenn mir dies in der Regel erst bewusst wird, wenn der letzte Bedürftige aus meinem Blickfeld verschwunden ist. Trotzdem kann man sich über meine Motivation wundern, und wahrscheinlich tut das niemand mehr als ich selbst. Als hilfreich empfand ich es, dabei über folgende Beobachtung nachzudenken. In Deutschland war ich immer wieder Zeuge, wie verschiedene Personen emotional sehr aufgewühlt waren, nachdem sie eine Dokumentation gesehen oder einen Artikel gelesen hatten, in dem bewegend über das Schicksal der mehr als 1 Milliarde unverschuldet in bitterer Armut lebenden Menschen berichtet wurde. Angeblich den Tränen nahe, wurde nicht an großen Worten gespart, um zu beschreiben, welch eklatante Lücke zwischen den eigenen Werten und dem, was in der Welt tatsächlich vor sich geht, klafft. Der Istzustand der Welt sei nicht hinnehmbar, und größte Anstrengungen müssen unternommen werden, um mehr Gerechtigkeit auf diesem Planeten zu schaffen.

Wenige Minuten später passiert dann Erstaunliches. Heimlich still und leise versichert sich ein jeder, dass man selbst natürlich nicht in der Pflicht stehe, irgendwas zu ändern, und dass man auch in Zukunft nicht mal ein Minimum an Zeit, geschweige denn Geld, investieren wird, um dafür zu sorgen, dass eines Tages über Armut nur noch in den Geschichtsbüchern zu lesen sein wird. Ich will gar nicht behaupten, es wäre leicht, den täglichen Fernsehkonsum einzuschränken oder auf eine der vielen Annehmlichkeiten, die eigentlich nicht wirklich notwendig sind, zu verzichten, um den Armen zu helfen. Ich will nur sagen, dass meiner Meinung nach extreme emotionale Aufgewühltheit weder notwendig noch hinreichend sind, um sich dem Kampf für eine gerechtere Welt zu verschreiben.

Bei meiner nächsten Gespräch mit Fazley ging es dann wider darum, was ich in den nächsten 2 1/2 Monaten zu tun gedachte. Ich hatte mich immer noch nicht so ganz damit abgefunden, dass man mich hier nicht von sich aus mit einer Aufgabe betrauen würde und behauptete, mich erst noch einige Tage damit beschäftigen zu wollen, mir in der Bibliothek ein wenig Grundwissen anzueignen.Die Grameen Bank Bücherei Gesagt, getan, ich verbracht also die nächste Woche mehr oder minder damit, jeden Tag die Grameen-Trust-Library aufzusuchen und war erstaunt über die Fülle an Publikationen zum Bereich Mikrokredit und allem was damit zu tun hat. Wahrscheinlich hätte ich den Rest meiner Zeit einfach mit lesen verbringen können, ohne den Eindruck zu gewinnen, ich würde meine Zeit vergeuden. Da mir der Gedanke aber nicht sonderlich gefiel, fragte ich Fazley, was denn meine Vorgänger so getrieben hätten und erhoffte mir dadurch ein wenig Inspiration, wie ich mich hier denn nützlich machen könnte. Obwohl die Antwort im ersten Moment ernüchternd war, barg sie doch die Lösung für mein Problem. Der überragende Teil der Praktikanten mache überhaupt nichts, was für die Grameen Bank von irgendeinem Wert ist. Einige schreiben Berichte bzw. mehr oder minder wissenschaftliche Arbeiten, die sich jedoch in der Regel immer wieder um das Gleiche drehen, nämlich „Die Geschichte und Funktionsweise der Grameen Bank“. Weitgehend unabhängig von Qualität oder Nutzen dieser Aufsätze werden sie dann in einen Schrank gestopft und bleiben somit von eventuell neugierigen Blicken der Außenwelt, aber auch der meisten Grameen-Bank-Mitarbeiter unbehelligt. Nachdem ich dies gehört bzw. gesehen hatte, schien es mir eine durchaus sinnvolle Aufgabe zu sein, meine mir verbleibende Zeit damit zu verbringen, über Mittel und Wege nachzudenken, wie denn künftige Praktika sowohl für die Studierenden, als auch für die Grameen Bank (GB) sinnvoller und effektiver gestaltet werden können.

Na ja, im Endeffekt verbringe ich nach wie vor die meiste Zeit des Tages in der Bibliothek und versuche irgendwelche Vorschläge zu erarbeiten. Es hat sich bisher als nicht sonderlich einfach herausgestellt, den Verantwortlichen mehr als ein „interessant“ zu entlocken, was ja, wie wir alle spätestens seit Biolek wissen, nicht unbedingt als Kompliment zu werten ist.

Da ich ständig ständig interessante Menschen aus aller Welt treffe, kann von Alltagstrott jedoch nicht die Rede sein. Einer dieserWeber in Bangladesch (leider aktuell und nicht aus dem Mueseum)Persönlichkeiten ist Azad, wobei ich mir nach wie vor nicht ganz sicher bin, ob das jetzt sein Vor- oder Nachname ist. Auf jeden Fall hat dieser Herr bis vor 2 Jahren für die GB bzw. für Grameen Uddog gearbeitet. Letztgenanntes Unternehmen hat es sich zum Ziel gemacht, handverarbeitete Baumwolle in für den Export bestimmte Kleidungsstücke zu verwandeln. Durch das Ausschalten von Zwischenhändlern ist man in der Lage, den ländlichen Webern deutlich höhere Löhne zu bezahlen und versucht auch, sie regelmäßiger mit Aufträgen zu versorgen, als dies bisher der Fall war, um ihrem Leben zumindest ein wenig Sicherheit zu geben. Nachdem es innerhalb des Grameen Uddog Managements zu einigen Streitigkeiten gekommen ist, hat Azad das Unternehmen verlassen, ist der Branche aber treu geblieben und hat sich mit der Gründung von Palli Check selbstständig gemacht. Obwohl er offensichtlich selbst nicht schlecht verdient, hat er das Ziel der Armutsbekämpfung nicht aus den Augen verloren und berichtete mir von diversen Plänen, wie er die Lebenssituation der Weber weiter verbessern will. Er hat mir auch diverse Produktionshallen gezeigt, in denen aus den angelieferten Stoffen verkaufsfertige Hemden (inklusive Preisschild) für den deutschen Markt gemacht werden. Die Arbeitszeiten und Bedingungen erschienen mir verhältnismäßig fair, wenn auch der Monatslohn von ca. 55 Euro kaum dem Vergleich mit dem Taschengeld eines deutschen Durchschnittsgymnasiasten standhalten kann.

Die Dörfer, in denen die Weber leben, wolle mir Azad auch noch zeigen, und in einem Nebensatz erwähnte er dann, ich würde auf einer von ihm organisierten Konferenz im November eine Rede über Armutsbekämpfung halten.

Wie bitte???

Vor fremden Menschen über ein Thema zu sprechen, von dem ich nach wie vor nicht wirklich Ahnung habe, erscheint mir doch alles andere als verlockend. Dummerweise war Azad bisher einfach zu freundlich zu mir, als dass ich mich aus dieser Situation hätte rauswinden können ohne mein Gesicht zu verlieren.

Bevor ich mich jedoch auf dieses Projekt stürze, werd ich erstmal versuchen, meine neue Bleibe etwas wohnlicher zuMein Treppenhausgestalten. Nach einem knappen Monat habe ich es endlich geschafft, meinem Hotel den Rücken zu kehren und mir für schlappe 75 Euro im Monat eine 3 Zimmerwohnung gemietet. Für hiesige Verhältnisse schaut sie gar nicht mal so schlecht aus, wogegen es in Deutschland wahrscheinlich gar nicht möglich wäre, ein solches Loch zu mieten. Na ja, immerhin habe ich jetzt ein Schlafzimmer, ein Ankleidezimmer, ein Arbeitszimmer, 2 Badezimmer und eine Küche, die mir jedoch außer einem Spülbecken nichts bietet, was mir irgendwie von Nutzen sein könnte. Das einzige Problem besteht wohl darin, dass ich mich nicht gerade im besten Viertel der Stadt eingenistet habe und mir ein bisserl vorkomme, wie ein Weißer in South Central LA. Andererseits kann ich jetzt zur „Arbeit“ laufen und muss nicht mehr täglich am hiesigen Verkehrschaos partizipieren. Unterm Strich dürften sich meine Überlebenschancen also drastisch erhöht haben.

So, das war also eine knappe Zusammenfassung meines ersten Monats in Bangladesch. Etliche Details über die GB und ihre Partnerunternehmen sowie 1000 kleine Alltagsanekdoten (z.B. warum ich mir hier ständig vorkomme wie ein Rockstar) habe ich ausgelassen, da ich des Schreibens einfach müde war. Anyway, bisher war’s hier auf jeden Fall sehr nett, und meiner einer ist gespannt, was ihn in den verbleibenden 2 Monaten noch alles erwartet.“

Well, was soll ich sagen, einen auch nur ansatzweise vergleichbaren Bericht über meine beiden letzten Monate in Bangladesh habe ich nicht mehr geschrieben, vermute aber mal, dass selbst die geneigteste Leserin zu diesem Zeitpunkt hierüber eher Dankbarkeit verspürt und dem Ende dieses Beitrages entgegenfiebert.

Ich denke aber auch so dürfte nachvollziehbar sein, dass meine Zeit in Bangladesch nicht ohne Folgen blieb. Zwar verspüre ichDankeskuchennach wie vor höchst selten unmittelbare, emotionale Betroffenheit beim Anblick von Armut, aber die Erfahrung, dass es durchaus möglich ist, Menschen dabei zu helfen, sich aus ihrem Elend zu befreien, hat mich tief bewegt, und entgegen dem, was einem der „gesunde Menschenverstand“ einreden will, ist derartiges Handeln auch keineswegs mit Verzicht verbunden. Dies ist mir endgültig klar geworden, als ich während besagtem Praktikums am Grameen-Ashoka-Dialogue teilnehmen durfte. Dort habe ich Menschen wie Albina Ruiz oder Juan Infante (um nicht weiter mit Muhammad Yunus Namen hausieren zu gehen) erlebt habe, die mit einer Leidenschaft von ihrer „Arbeit“ berichteten, die ich bisher noch nicht gesehen hatte. Zwar kann auch die Begeisterung von „normalen“ Unternehmern schon ansteckend wirken, aber zumindest für mich ist das einfach nicht die gleiche Liga (oder, um die Reminiszenz an Tarantino auf die Spitze zu treiben, es ist nicht mal der gleiche verdammte Sport). Wer sich das jetzt noch immer nicht vorstellen kann, dem empfehle ich sich ein Interview mit Premal Shah anzuschauen, einem der Gründer von Kiva.org. Obwohl es durchaus Gründe gibt, seine Organisation kritisch zu sehen (mehr dazu in einem anderen Blogbeitrag), kann man sich seiner Begeisterung nur schwer entziehen und für mich steht es außer Frage, dass die Welt in einem deutlich besseren Zustand wäre, wenn es mehr Leute wie ihn gäbe.

Ok, ok, bevor ich mich noch um Kopf und Kragen schreibe sei gesagt, dass aus meiner Sicht die Moral von der Geschicht keinesfalls darin besteht, dass ein jeder nun zu Mutter Theresa mutieren soll, aber ich will doch für die Einstellung werben, in sozialem Engagement auch immer die Chance zu sehen, die eigene Lebensfreude zu steigern. Allen, die hier für sich noch Potential sehen, hoffen wir, mit Helpedia einen Einstieg zu bieten.

Wenn Ihr irgendwleche Kommentare oder Fragen habt, dann postet Sie einfach hier im Blog.

Basti

13 Kommentare zu “Von der Grameen Bank zu Helpedia (3. Teil)”

  1. Holger

    Hallo Basti,

    könntest Du mir ein noch ein paar Wort mehr sagen zum Praktikum bei Grameen:
    Inwiefern bekommt man über ein Praktikum/Volunteering interessante Einblicke in das Prinzip Grameen?
    Was würdest Du im Nachhinein sagen, was könnten dort sinnvolle Tätigkeiten für Mitarbeiter aus Europa sein? Welches der Grameenunternehmen ist für eine Mitarbeit von Europäern am besten geeignet?

    Viele Grüße
    Holger

  2. Basti Schwiecker

    Hallo Holger

    Im Rahmen meines Praktikums konnte ich definitiv interessante Einblicke gewinnen und das “Prinzip Grameen” sehr gut kennenlernen. Für mich hat sich die Erfahrung auf jeden Fall gelohnt und ich kann sie jedem/r nur wärmstens empfehlen.

    Auf der anderen Seite sollte man sich mit der richtigen Erwartungshaltung auf den Weg nach Bangladesch machen. Eine wirklich aktive und produktive Mitarbeit ist oft nur schwer möglich und wurde zumindest damals auch nicht wirklich gefördert. In vielen der Dörfer sind nur sehr, sehr selten Ausländer zu sehen, so dass man hier schnell auffällt und teilweise als Attraktion gesehen wird (einmal wurde ich sogar nach einem Autogramm gefragt, aber da hatte man mich wohl irrtümlich für einen Cricketspieler gehalten ;-). In Kombination mit in der Regel mangenden Sprachkenntnissen (ich konnte zumindest kein Bangla) ist es hier nicht einfach aus seiner Beobachterrolle auszubrechen. Erschwerend kommt als Mann hinzu, dass es hier nach wie vor für viele Frauen oft Hemmnisse gibt, sich auf ein Gespräch mit einem Fremden einzulassen.

    Insofern wird man die meiste Zeit wohl in der Grameen-Zentrale in Dhaka verbringen. Hier kommt es dann auf einen selber an, inwiefern man sich einbringt. Es gilt auf jeden Fall aktiv nach derartigen Möglichkeiten zu suchen. Einen Weg den viele gegangen sind war, mehr oder minder wissenschaftliche Arbeiten über die Gramen-Bank zu schreiben. Diesen bin auch ich gegangen, so dass man meine Zeit dort auch vielleicht eher als Bildungsreise, denn als klassisches Praktikum bezeichnen könnte (im positivsten Sinne).

    Die Frage nach den anderen Grameenunternehmen kann ich nur schwer beantworten, habe ich diese doch wenn, dann nur rudimentär kennengelernt. Persönlich wären meine Favoriten Grameen Shakti (erneuerbare Energien) und der Grameen Trust (Förderung von Mikrofinanzprojekten in anderen Ländern).

    Ich hoffe ich konnte Dir damit helfen, ansonsten frag einfach noch mal nach.

    Gruß,

    Basti

  3. Nic

    Hallo Basti,

    ich bin eher durch Zufall auf Deinen Bericht gestoßen und bin, nachdem ich mich nun etwas tiefergehender über Grameen informiert habe, total begeistert von dem Konzept und vor allem fasziniert von Deinen Schilderungen und bin dadurch auch auf Grameen Shakti gestoßen.

    Mich interessiert der Bereich rural electrification enorm, insbesondere rural electrification mit Hilfe von renewables. Meine Frage an Dich daher ist, ob Du jemandem wie mir, der sich auf diesen Bereich studientechnisch spezialisiert, ein Praktikum/ Volunteertätigkeit bei Grameen Shakti zu Kenntnissvertiefung empfehlen kannst?

    Würde mich freuen von Dir zu hören und danke Dir schonmal für Deine Antwort vorab

    Lg
    Nic

  4. Basti Schwiecker

    Hi Nic!

    Da ich bei Grameen Shakti nur “mal reingeschaut” habe, kann ich leider nicht genau sagen, wie ein Praktikum dort genau abläuft. Wer dir aber vielleicht weitehelfen kann ist Nancy Wimmer die Du über die Seite von microSOLAR erreichen kannst. Sie arbeitet eng mit Grameen Shakti zusammen und hatte mir damals vor meinem Praktikum bei der Grameen Bank auch ein paar Tipps gegeben.

  5. Nic

    Hi Basti,

    vielen Dank für den Tip! Eine andere Frage habe ich da noch: was für eine Art Visum hast Du damals beantragt? Es gibt ja das so genannte Research Visa für Praktika/ Forschungstätigkeiten und da ist meine Frage ob es bereits erforderlich ist eine Flugbuchungsbestätigung/ Ticket vorzuweisen?

    Lg und danke nochmal vorab

    Nic

  6. Basti Schwiecker

    Hi Nic!

    Wenn ich mich recht erinnere, dann habe ich in der Tat ein Research Visum beantragt. Ob ich ein Flugticket vorweisen musste weiß ich nicht mehr, aber auf jeden Fall ein Schreiben der Grameen Bank. Ansonsten hat man mir diverse Fragen über meine finanzielle Situation gestellt, da Dhaka angeblich genauso teuer sei wie Berlin und den Prozess auch insgesamt eher schwieriger gestaltet als es mir sinnvoll erschien. In die USA kommt man auf jeden Fall einfacher…

    So oder so, es lohnt sich!

  7. Nic

    Hi Basti,

    ich habe da noch eine Frage: bin gerade dabei das Visum zu organisieren und muss von Grameen aus ein NGO Certificate vorlegen. War das bei dir damals auch so und um was handelt es sich dabei?

  8. Basti Schwiecker

    Hi Nic!

    Das ist natürlich nicht schlecht… Von einer, sich teilweise im Staatsbesitz befindlichen Bank ein NGO Certificate zu verlangen… Die Grameen Bank ist zumindest nach allen mir bekannten Definitionen keine NGO. Anyway, hatte damals auch genug Stress mit den Botschaftsbeamten insofern würde ich dringend davon abraten allzu viel zu diskutieren. Bei mir hat ein Schrieb von der Grameen Bank ausgereicht, dass man sich freue, mich als Praktikanten begrüßen zu dürfen. Denke wen Du so was bekommst (theoretisch kein Problem, praktisch dauert es halt, wenn es ein echter Brief sein soll), dann vermute ich dürfte das ausreichen.

    Freut mich auf jeden Fall, dass es inzwischen bei Dir so konkret ist. Wenn Du wirklich fährst, dann halt mich bitte auf jeden Fall auf dem Laufenden.

    Gruß,

    Basti

  9. Nic

    Hi Basti,

    danke, daß Du so schnell geantwortet hast. Bei mir ist es derzeit so, daß ich zwar für mein Praktikum bei Grameen Energy ein Einladungsschreiben bekommen habe, aber trotz alle dem auf das NGO-Certificate bestehen (was mich ebenso wie Dich angesichts das halbstaatlichen Zustands von Grameen wundert), was ich natürlich hoffe ihnen bald geben zu können.

    Ich werde Dich aber auf jeden Fall weiter informieren und wenn es von Interesse für helpedia ist könnte ich auch einen Bericht zu meinen Eindrücken bei Grameen Shakti verfassen.

    Gruß

    Nic

  10. Jutta

    Hallo Basti,

    wie viel Zeit lag denn bei dir zwischen dem Erstkontakt zu Grameen und dem Praktikumsbeginn?

    Auf der Homepage steht ja dass sie nur 4 Wochen Vorlauf benötigen. Nun überlege ich, von Anfang September bis Mitte Oktober ein Praktikum zu machen. Meinst du das ist genug Zeit zur Organisation, insbesondere der Visaangelegenheiten?

    Was mich auch beschäftigt, ist dass du ja auch schreibst, dass man sich selbst eine Beschäftigung finden muss. Nun weiß ich nicht, ob es das richtige für mich ist eine wissenschaftliche Arbeit oder ähnliches zu verfassen. Gibt es dort wirklich nichts anderes zu tun? Es ist vielleicht einfach die deutsche Einstellung zu einem Praktikum dass ich dort auch produktive Arbeit leisten möchte, wobei nur Eindrücke zu sammeln und zu lernen ja vielleicht auch nicht so schlecht ist.

    Gruß, Jutta

  11. Basti Schwiecker

    Hallo Jutta!

    Denke auf jeden Fall, dass das Visum das größere Problem ist (siehe Kommentare von Nic). Würde mich auf jeden Fall bei der Botschaft erkundigen bevor ich einen Flug buche.

    Was die eigentliche Tätigkeit angeht, so will ich nicht ausschließen, dass die Praktika bei der Grameen Bank inzwischen strukturierter sind. So oder so dürfte Dir in 1 1/2 Monaten nicht langweilig werden. Gibt dort in jedem Fall viel zu lernen und zu erleben.

  12. Jutta

    Hallo Basti,

    danke für die Antwort. Ich werd mal bei der Botschaft anrufen und mich erkundigen.

    Weißt du zufällig wie viele Praktikanten sich bei der Grameen Bank bewerben und wie viele genommen werden?

    Auf der Website steht zu den Bewerbungsunterlagen: “Interns are required to send a Resume/CV along with an introductory letter from their respective institutions.” Ich nehme an, damit ist ein Empfehlungsschreiben von der Uni gemeint? Dann könnte das noch schwierig werden, ich studiere Wirtschaftsmathematik (also nichts soziales) und weiß nicht ob einer meiner Professoren mir sowas schreiben würde.

    Aber mein Interesse wächst immer mehr, ich hoffe ich kriege das alles noch hin.

    Gruß, Jutta

  13. Basti Schwiecker

    Hi Jutta!

    Damals (2003) wurde bei der Grameen Bank so ziemlich jeder genommen, der nachweißen konnte, dass er StudentIn ist. Ich habe auch kein Empfehlungsschreiben gebraucht, sondern nur eine Bestätigung, dass ich an einer Uni eingeschrieben bin und die wurde auch nicht wirklich geprüft. Während meiner 3 Monate waren immer so zwischen 3-7 PraktikantInnen da, wobei ich mir vorstellen kann, dass die Bewerberzahlen nach dem Nobelpreis drastisch gestiegen sind. Insofern wäre es natürlich auch möglich, dass man etwas strenger auswählt. Bezüglich des “introductory letter” würde ich noch mal fragen, was genau gemeint ist. Wirtschaftsmathematik sollte aber keinesfalls ein Problem sein (trotz sozialer Mission handelt es sich schließlich um eine Bank).

    Gruß,

    Basti

    P.S. Wenn Du das wirklich machst, dann halte mich mal auf dem Laufenden oder veröffentliche sogar einen kleinen Gastbeitrag auf diesem Blog.

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