Während im Hintergrund fleißig daran gewerkelt wird wir das bisher erhaltene Feedback sowie ein paar Erweiterungen umzusetzen, wollen wir die Chance nutzen und das Helpedia-Team etwas genauer vorstellen. Den Anfang wird dabei meine Wenigkeit machen, wobei ich es Euch erspare, meinen Lebenslauf einfach in Prosa wiederzugeben (die „harten Fakten“ findet Ihr hier), sondern von einer der wahrscheinlich prägendsten Erfahrungen meines Lebens berichten werde.
Ohne mein Praktikum bei der Grameen Bank und der damit verbundenen Zeit in Bangladesch hätte ich wohl nie den Versuch gewagt, mich mit einer gemeinnützigen Organisation selbstständig zu machen.
Begonnen hat das Ganze vor circa zehn Jahren, als mich der jetzige Helpedia-Mitgründer Matthäus erstmalig auf die Grameen Bank aufmerksam gemacht hat und fasziniert davon berichtete, wie diese inzwischen von Spenden praktisch unabhängige Finanzinstitution Millionen Menschen aus der Armut befreit hat.
Ich muss gestehen, dass ich damals trotz spontaner Begeisterung wenig Muße hatte, mich näher mit dieser Thematik zu beschäftigen, da ich völlig dem um sich greifendem Börsenfieber jener Tage erlegen war. Als mir der Kapitalismus dann aber seine hässliche Fratze zeigte, sprich meine Konfirmationstaler im allgemeinen Börsencrash pulverisiert wurden, begann ich damit, meine soziale Ader wieder zu entdecken (hatte auch vorher schon eine kleine „Aktivisten Karriere“ hinter mir). Den Rest gab mir einige Zeit später die extrem lesenwerte Biographie des Grameen Bank Gründers Muhammad Yunus (selbst Mutti fand sie gut!) sowie die Gelegenheit, im Rahmen einer Studenten-Konferenz einem ebenso spannenden wie inspirierendem Vortrag über eben jene Institution zu lauschen (Dank an Nancy). So entstand in mir der Wunsch, sich die Sache einmal selber anzuschauen.
Gesagt – getan. Also brach ich im Herbst 2003 für drei Monate nach Bangladesch auf, um dort ein Praktikum bei jener, inzwischen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten, Bank zu absolvieren. Was mir dort widerfahren ist, könnt Ihr dem nun folgenden Praktikumsbericht entnehmen, der bis auf einige winzige und meist rein orthographische Änderung genau dem entspricht, was ich vor ca. vier Jahren an einige FreundInnen verschickt habe. Insofern bitte ich um Milde, wenn ich hier und da vielleicht einige politisch unkorrekte Verallgemeinerungen vornehme und für die eine oder den anderen etwas zu sehr mit meiner damaligen studentischen Lebensweise kokettiere.
Anyway, genug der Vorrede:
„Nachdem ich nun schon 2 ½ Wochen in Bangladesch bin, habe ich doch erst jetzt Zeit gefunden, damit anzufangen, die bisher gemachten Erfahrungen aufzuschreiben. Beginnen möchte ich diese, womöglich für niemanden außer mir selbst unterhaltsame Geschichte am Abend vor meinem Abflug. Nachdem ich mir mit Freunden das unsägliche EM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und Island angeschaut und dabei genüsslich 2 Bier getrunken habe, war ich guter Dinge noch ein paar Stunden schlafen zu können bevor mich mein Wecker, wie immer viel zu früh, aus Morpheus Armen reißen würde damit ich gen Flughafen aufbrechen könnte.
Soweit der Plan, die Realität sah anders aus. Statt mich in das Reich der Träume zu begeben, wie es gut und richtig gewesen wäre, fragte sich meiner einer wieder und wieder welcher Teufel mich denn geritten hat, ausgerechnet nach Bangladesch gehen zu wollen und das auch noch für 3 Monate. Nachdem ich vor einigen Jahren schon mal in Indien war, hatte ich mir eigentlich fest vorgenommen, den gesamten Subkontinent zu meiden, bevor ich nicht eine 9 Länder umfassende Liste prioritärer Reiseziele abgeklappert hätte. Auch der flux erworbene Lonely Planet (Reiseführer) konnte meine Begeisterung nicht anheizen, sagte er doch zum einen, es würde außer für Katastrophentouristen in Bangladesch so gut wie keine Sehenswürdigkeit geben und zum anderen, dass die Regenzeit, der ich schon letztes Jahr in Guatemala nachdrücklich die Freundschaft verweigert hatte, mir während meines Aufenthaltes ein ständiger Begleiterin sein würde. Was in aller Welt hat mich also dazu gebracht, schlappe 800 Euro in einen Flug zu investieren, um 3 Monate ein unbezahltes Praktikum im korruptesten Land der Welt (laut Transperancy International) zu absolvieren, dessen Durchschnittseinwohner im Jahr deutlich weniger Geld zur Verfügung hat als ich monatlich an Waisenrente bekomme? Die Antwort besteht aus verschiedenen Gründen, die ich im Folgenden kurz anschneiden möchte:
Zum einen spürte ich schon im vergangenen Frühling ein in mir keimendes Fernweh, welches seit einem dreimonatigen Trip durch Mexiko vor vier Jahren immer wieder in mir auflodert. Zum anderen fiel es mir immer schwerer zu leugnen, dass sich mein
Studentenleben trotz ehrgeizigster Versuche, es in die Länge zu ziehen, dem Ende neigt und ich mir langsam darüber im Klaren sein sollte, was als nächstes ansteht. Auf die Frage nach meinem Berufswunsch pflegte ich zu antworten “Irgendwas mit Entwicklungszusammenarbeit“ wusste aber selbst nicht, worum es sich bei diesem „Irgendwas“ handelte und ob meine Motivation, eine gerechtere Welt zu schaffen, wirklich groß genug ist, um Deutschland auch für längere Zeit den Rücken zu kehren, um mich in TakaTuka-Land unter widrigen Umständen und für wenig oder gar kein Geld mit den Ärmsten zu beschäftigen. So sehr mir der Gedanke auch missfällt, in der Wirtschaft für andere den Büttel zu machen, so wenig kann ich ausschließen, mich nach meinem Diplom doch noch bei irgendwelchen Profitmaximierern anzubiedern. Bevor ich jedoch der dunklen Seite der Macht verfalle, wollte ich es anderweitig versucht haben, und die Grameen Bank (GB) schien mir dafür genau der richtige Ort zu sein. Kurzum, an meinem Aufenthalt in Bangladesch hatte ich keinen geringeren Anspruch als den, mir darüber klar zu werden, was ich denn in diesem Leben noch zu tun gedenke.
Ohne also während der Nacht auch nur ein Auge zu schließen, machte ich mich am nächsten Morgen zum anderen Ende der Erde auf (man verzeihe mir diese Übertreibung). Nach gut 15 Stunden, die ich weitgehend damit verbracht habe, mich darin zu bestätigen, dass es sich bei Matrix 2 um alles andere als ein würdiges Sequel handelt, landete ich schließlich in Dhaka und machte eine weitere Erfahrung mit den Bürokraten Bangladeschs. Wie schon die Botschaftsangestellten in Berlin schienen auch die hiesigen Zollbeamten von dem Wahn befallen zu sein, ihr Land vor illegalen Einwanderern aus Westeuropa beschützen zu müssen und beschäftigten sich eingehend mit jedem Neuankömmling. Etwa eine Stunde später erlaubte man mir schließlich, mein Gepäck in die Arme zu schließen, und als ich gegen 7 Uhr (Ortszeit) den Flughafen verließ, konnte ich gerade noch ein Schild mit meinem Namen und dem GB-Logo erkennen, bevor meine Brille beschlug und ich die Welt um mich herum nur noch schemenhaft wahrnahm.
Kaum zu glauben, die Ankündigung in der letzten Email, man werde jemanden zu meiner Abholung senden, war kein leeres Gerede, und ich war sehr erleichtert, nach knapp 40 Stunden ohne Schlaf nicht auch noch mit Taxifahrern verhandeln zu müssen, die mich allenfalls als leichte Beute betrachtet hätten. Im Hotel angekommen begann der Kampf gegen die Müdigkeit, während dessen ich fahrlässigerweise einen kleinen Spaziergang unternahm und dabei dem Tod das ein oder andere Mal nur mit viel Glück von der Schippe springen konnte. Es wäre allerdings falsch zu behaupten, es gebe in Bangladesch keine Verkehrsregeln. Es gilt das gute alte Recht des Stärkeren! Darwin hätte seine helle Freude. Hat man sich aber erstmal damit abgefunden, dass sowohl Ampeln als auch Verkehrsschilder rein dekorative Funktionen erfüllen, kann man sich durchaus unters Volk mischen ohne fürchten zu müssen, die eigene Lebenserwartung würde auf ein Niveau sinken, welches man sonst nur bei Eintagsfliegen vorfindet.
Am späten Nachmittag fiel ich dann für etwa 16 Stunden ins Koma, was jedoch nichts damit zu tun hatte, dass ich am
nächsten Tag erst mit einer halben Stunde Verspätung zum vereinbarten Kennenlerngespräch bei meinem Arbeitgeber (yeah, dass wollte ich schon immer mal sagen - MEIN Arbeitgeber) erschien. Schuld an dieser Unpünktlichkeit war vielmehr der Fahrer meines so genannten Baby-Taxi (eigentümliche Mischung aus Mofa und Auto), dem auf halber Strecke das Gas ausging (der Umwelt zu liebe dürfen diese Verkehrsmittel nicht mehr mit Benzin fahren). Am eigentlichen Ziel meiner Reise angekommen war ich durchaus erstaunt. Der Hauptsitz dieser Bank für die Armen ist ein nicht unansehnlicher 19-stöckiger Büroturm, der von einem halben Dutzend Sicherheitsbeamten bewacht wird (obwohl hier keinerlei Geldgeschäfte abgewickelt werden). Im Gespräch mit meinem Betreuer, dem ehrens- wie liebenswerten Fazley Rabbi, betonte dieser jedoch immer wieder, es würde sich hierbei nicht um die wirkliche GB handeln, diese würde ich erst sehen, wenn ich eines der über 50.000 Versammlungszentren besuchen würde, welche die Kunden der Bank in Ihren Dörfern im ländlichen Bangladesch errichtet haben (per Gesetzt ist es der GB nicht erlaubt, in Städten zu arbeiten, obwohl es natürlich auch hier viele Arme und damit potentielle Nutznießer gibt).”
Um zu den Blogeinträgen “Von der Grameen Bank zu Helpedia (2. Teil)” oder “Von der Grameen Bank zu Helpedia (3. Teil)“zu gelangen folgt einfach den Links.




















Erstellt am 28.3.2008 um 13:25
[...] wieder wurde ich nach den Motiven für die Gründung von Helpedia gefragt. Neben eher Abstraktem und Persönlichem habe ich auch immer wieder erwähnt, dass man die Vielzahl der (potentiell) engagierten Menschen [...]
Erstellt am 27.4.2008 um 21:21
[...] dieses zugegeben etwas merkwürdigen Titels ist eine Erfahrung, welche ich im Rahmen meines Praktikums bei der Grameen Bank gemacht habe: Wenn ich schon mal in “der Gegend” bin, so dacht ich mir, könnte ich [...]