Nachdem ich mich im Helpedia-Blog ja schon zum Fall UNICEF ausgelassen habe, hier nun ein paar Gedanken zu dem, was seither passiert ist.
Erst einmal kann sich besagte Organisation wohl glücklich schätzen, dass die Steueraffäre um Klaus Zumwinkel gerade noch rechtzeitig ans Licht kam, wurde der Herr doch schon als Favorit für die Nachfolge der ehemaligen UNICEF Vorsitzenden Heide Simonis gehandelt…
Interessanter sind aber sicherlich die Reaktionen der breiten Öffentlichkeit auf den “Skandal”. In einer vom Stern in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage haben erschreckende 27% der Befragten angegeben, in Zukunft weniger Geld für wohltätige Zwecke spenden zu wollen. Dass dann auch noch das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) UNICEF (www.unicef.de) das Spendensiegel aberkannt hat, dürfte für weitere Verunsicherung im Sektor führen.
Ich muss gestehen nach wie vor meine Schwierigkeiten damit zu haben, in die oft pauschale Verurteilung einzustimmen. Über den Vorwurf, der bisher in der Öffentlichkeit das größte Medienecho erfahren hat, nämlich die Tatsache, dass der UNICEF-Vorstand es sich herausgenommen hat, externen Beratern zumindest teilweise marktübliche Gehälter zu zahlen, habe ich ja hier schon berichtet. Aus diesem Grund will ich mich nun auf die Kritik des DZI konzentrieren. Jene, das bekannte Spendensiegel vergebende Organisation, führt gegen UNICEF ins Feld, dass professionelle Fundraiser beauftragt und erfolgsabhängig bezahlt wurden. Dies war dann auch der Grund, der zur Aberkennung des Spendensiegels geführt hat, wobei die Details in der entsprechenden Pressemitteilung nachgelesen werden können.
Tja ja, das ist in der Tat schweres Geschütz, welches hier aufgefahren wird. Nicht auszudenken wo wir hinkämen, würde man auch in anderen Teilen der Gesellschaft dazu übergehen marktübliche und erfolgsabhängige Gehälter zu zahlen…
Na gut, bevor ich mich weiter auf das Glatteis der Ironie wage sei gesagt, dass es durchaus Gründe gibt, warum man FundraiserInnen nicht auf Provisionsbasis bezahlen sollte. Ein Grund ist sicherlich die Möglichkeit, dass man dadurch dazu verleitet werden könnte, Methoden zu verwenden, die zumindest langfristig eher zu mehr Skepsis und einer geringeren Spendenbereitschaft führen (ein Beispiel hierfür findet sich in diesem interessanten Artikel der WirtschaftsWoche). So oder so frage ich mich dennoch, ob die Art der Bezahlung von FundraiserInnen wirklich ein potentielles k.o.-Kriterium für Erlangung des Spendensiegels sein sollte (hier die einzelnen Kriterien im Detail). Die aus meiner Sicht einzig relevante Größe, die mich als potentieller Spender interessiert, wäre, wie viel Gutes pro Euro von der jeweiligen Organisation bewirkt wird – und nicht ob es eine erfolgsabhängige Vergütungen gibt bzw. ob sich die Gehaltsstruktur generell am öffentlichen Dienst orientiert (ein weiteres Kriterium des DZI). Natürlich lässt sich sowas deutlich schwerer berechnen und würde bis zu einem gewissen Grad auch immer subjektiv bleiben müssen, aber dennoch könnte die Aussagekraft der Ergebnisse meiner Meinung nach deutlich gesteigert werden.
Voraussetzung für ein solches Vorgehen ist allerdings eine größere Transparenz im gemeinnützigen Sektor als sie in Deutschland zurzeit noch vorherrscht. Diese zu erhöhen ist auch Ziel von Helpedia, und sobald wir unsere Testphase beendet haben, werden wir uns genau darauf konzentrieren. Vielleicht gelingt es uns ja, einen Beitrag zur Weiterentwicklung der bestehenden Evaluierungsmethoden zu leisten oder gar ganz neue anzuregen. Das halte ich auf jeden Fall für deutlich dringlicher, als den Entwicklungsausschuss des Bundestages darüber beraten zu lassen, ob das DZI UNICEF nicht hätte schon früher “auf die Schliche kommen müssen“.
Bis dahin freuen wir uns hier über jede Anregung oder auch jeden kritischen Kommentar.
P.S. Auf der Suche nach frei verwendbaren Bildern für diesen Artikel bin ich auf dieses Bild von Deco bzw. dem FC Barcelona gestoßen. Im Gegensatz zu “normalen” Vereinen bekommen die Katalanen für diese Art der Werbung kein Geld, sondern haben sich gar verpflichtet 0,7% ihrer jährlichen Einnahmen dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen zukommen zu lassen. Wenn das mal kein vorbildliches Verhalten ist… (mehr auf Wikipedia).



















