Nachdem ich mich ja schon mal kritisch mit der Erfolgsmessung internetbasierter NGOs am Beispiel von diegesellschafter.de auseinandergesetzt habe, will ich das Thema noch mal etwas grundlegender angehen. Auch bei “klassischen” gemeinnützigen Organisationen findet meines Wissens nach nämlich so gut wie nie eine kritische, unabhängige Überprüfung statt, ob die eingesetzten Mittel wirklich auf die effizienteste Art und Weise zur Erreichung der übergeordneten Ziele eingesetzt wurden.
Um Missverständnisse zu vermeiden sei gesagt, dass das Kriterium, um welches es mir hier geht, ganz einfach darin besteht, wie viel “Gutes” die Organisation pro Taler schafft. Es geht also beispielsweise nicht darum, ob sich die Gehaltsstruktur der Organisation am öffentlichen Dienst orientiert (eines der Prüfkriterien des DZI). Keine Frage, das ist zu einem gewissen Grad immer subjektiv, liegt der einen doch die Entwicklungszusammenarbeit im Kongo, dem anderen der Tierschutz im Saarland mehr am Herzen. Sobald man jedoch hinreichend eingegrenzt hat, wofür man sich engagieren möchte, macht es doch durchaus Sinn sich zu fragen, welche Organisation mit zusätzlichen Mitteln effektivere Hilfe leisten könnte.
Dass die Unterschiede hier teilweise enorm sind, ist mir spätestens während meiner Zeit in der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit aufgefallen, bei der es in Deutschland – soviel ich weiß – übrigens auch keine unabhängige Erfolgskontrolle gibt. Dort war ich an der Evaluierung verschiedener Mikrofinanzprojekte beteiligt und musste feststellen, dass einige Institutionen trotz (fast) identischer Umstände mit ihren Angeboten ein Vielfaches an Menschen erreichten. Der Grund dafür bestand nicht darin, dass der erfolgreicheren Organisation mehr Geld zur Verfügung stand, sondern dass sie die bessere Strategie, die besseren Produkte und tendenziell außerdem noch die besseren Mitarbeiter hatte. Dies sollte eigentlich nicht verwundern, sind uns allen doch wahrscheinlich Unternehmen bekannt, die sich in der Qualität deutlich von ihren Mitbewerbern unterscheiden. Natürlich ist das bei Hilfsorganisationen nicht anders. Zu einem Problem kommt es aber, wenn die Finanzierung der jeweiligen Institution von der Erfüllung der Kundenbedürfnisse weitgehend unabhängig ist. Und ich fürchte, dass dies im sozialen Bereich leider noch allzu oft geschieht.
Beim Kauf einer Digitalkamera beispielsweise lassen sich zumindest viele Menschen von entsprechenden Tests oder Empfehlungen von FreundInnen beeinflussen, die sich direkt mit der Qualität des Produktes auseinandergesetzt haben. Wenn es aber darum geht einem guten Zweck eine Spende zuzuführen, ist es sehr schwer an die wirklich relevanten Fakten zu kommen – selbst mögliche Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis beruhen in der Regel nicht auf einer kritischen, geschweige denn wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der eigentlichen Hilfsleistung. In der Werbung der entsprechenden Organisationen spielen derartige Angaben in der Regel auch keine Rolle, was zum einem daran liegt, dass entsprechende Zahlen nicht vorliegen. Zum anderen liegt es aber wohl mit daran, dass es den/die potentielle SpenderIn nicht wirklich interessiert, geht es doch oft mehr um ein gutes Gefühl, welches die milde Gabe in einem auslöst, als um die Gewissheit auf die effektivste Art und Weise gespendet zu haben. Dies herauszufinden wäre ausgesprochen schwierig. Und warum sollte man sich damit auseinandersetzen, schließlich kriegt man vom eigentlichen “Produktnutzen” für die Hilfsbedürftigen so gut wie nichts mit, geschweige denn von der Möglichkeit, dass mit alternativen Ansätzen eventuell viel mehr hätte erreicht werden können.
Auch die Medien tragen ihren Teil dazu bei, dass die meiner Meinung nach wirklich relevante Debatte so gut wie nicht stattfindet. Bestes Beispiel ist hier der Fall UNICEF. In fast allen Artikel zu diesem Thema ging es um die angeblich zu großzügigen Gehälter von Mitarbeitern bzw. das falsche Bezahlungsmodell für externe Fundraiser (und natürlich um die in der Tat mangelhafte Kommunikation). Dies waren auch die Gründe, die das DZI dazu bewogen hat, das Spendensiegel abzuerkennen (Details gibt’s hier). Was in der Diskussion jedoch völlig außen vor blieb war die Frage, ob UNICEF (www.unicef.de) generell mit seinen Geldern effektive Arbeit leistet. Den einzigen diesbezüglichen Kommentar fand ich bisher im Stern, wo sich der Direktor des Macenata-Instituts, Rupert Graf Strachwitz, mit Verweis auf die multinationale Grundstruktur der Organisation sehr kritisch über deren Möglichkeit zu effektiver Hilfsabreit geäußert hat. Wenn, dann sollte das doch der eigentliche Skandal sein, oder?
Was also tun? Wie anfangs geschrieben ist eine wirklich aussagekräftige Evaluierung von gemeinnützigen Organisationen extrem komplex und wird auch bis zu einem gewissen Grad immer subjektiv bleiben. Auf der anderen Seite glaube ich, dass derartige Analysen den Sektor insgesamt einen großen Schritt nach vorne bringen könnten. In einer Welt, in der die Probleme in vielen Bereichen leider noch immer größer sind als die zur Verfügung stehenden Mittel diese zu beseitigen, kann man es sich im Sinne der Hilfsbedürftigen einfach nicht leisten “irgendwas” zu machen. Stattdessen muss man ständig abwägen um die zur Verfügung stehenden Mittel so effizient wie möglich einzusetzen. Ob dies geschieht, wir für Außenstehende aber nur durch professionelle und externe Prüfungen nachvollziehbar. Wie so etwas ablaufen könnte, und warum ich es momentan für sehr schwierig halte dies kurzfristig in Deutschland umzusetzen, werde ich in einem weiteren Beitrag ausführen. Bis dahin würde ich mich wie immer über Kommentare freuen. Natürlich auch kritische, ich lasse mich ja gerne eines Besseren belehren…




















Erstellt am 15.5.2008 um 14:51
Guter Beitrag. Das Problem besteht auf jeden Fall. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ihm mit externen Prüfungen beizukommen ist. Diese müssten sich an Kriterien orientieren, auf die man sich nur schwer wird einigen können. Und die Prüfungen würden wahrscheinlich unglaublich aufwendig und damit teuer. Klar, Digitalkameratests haben auch immer eine subjektive Komponente (und das ist nichts Schlechtes), aber Kameras lassen sich immer noch viel einfacher vergleichen als Organisationen und deren Arbeit.
Ich glaube, die Organisationen müssen das Problem erkennen und selbst auf mehr Transparenz “von innen” setzen. Also viel detaillierter über ihre Arbeit (inkl. Fehl- und Rückschlägen) berichten. Als Spender habe ich dann zwar immer noch keinen objektiven Vergleichskatalog, kann aber die Organisation unterstützen, der ich selber vertraue, authentisch zu berichten.
Erstellt am 15.5.2008 um 15:06
Hi Ole!
danke für den Beitrag. Denke auch, dass Transparenz “von innen” der erste Schritt sein muss und das eine wirklich sinnvolle, externe Prüfung sehr aufwendig wäre. Trotzdem glaube ich, dass es auch da gegenüber dem Staus quo noch eine Menge Potential gibt. Ein wie ich finde sehr interessanten Ansatz verfolgt z.B. GiveWell über die ich demnächst auch noch mal schreiben werde.
Erstellt am 24.5.2008 um 3:29
“Nachdem ich mich ja schon mal kritisch mit der Erfolgsmessung internetbasierter NGOs am Beispiel von diegesellschafter.de auseinandergesetzt habe, will ich das Thema noch mal etwas grundlegender angehen.”
Hallo Basti,
nachdem ihr meinen umfanreichen Beitrag betreffs moralisch und rechtlich höchst fragwürdigem Gebaren und Begleitumständen, vor allem extremer Verschwendung und Missbrauch von Spendenlotteriegeldern für politische Politpropaganda Aktionen bei der Aktion Mensch / dieGesellschafter.de nach bereits erfolgter Freigabe dann im Nachhinein doch wieder gelöscht habt, kann ich ob deines neuerlichen Hinweises auf deine diesbezügliche Effizienzforschung nur lauthals auflachen.
Wer so bequem nachlässig “forscht” dass er zwar die vorbereitete Propaganda-Präsentation und sichtbar unsicheres Gestammel (warum wohl?) ernst nimmt . Dass es im Gegensatz zur schönen Präsentation bei dieGesellschafter.de teilweise stinkt, ja sogar extrem stinkt, hättest du selbst ganz locker in ein paar Stunden Internetrecherche herausfinden können. Stattdessen ziehst du(ihr) es vor, die dir von mir auf dem Tablett servierten Hinweise und Vorwürfe in die Tonne zu kloppen. Dabei hätte schon eine einzige Rückfrage gereicht, um die Stellen im Internet aufrufen zu können, wo meine Hinweise und Vorwürfe (und die vieler Anderer dieGesellschafter.de”opfer”) allesamt belegt, bzw. archiviert sind. Sie warten nur noch auf sachliche Veröffentlichung durch ehrliche(!) ernsthafte Effizienz;-)forscher (die im Gegensatz zu mir ansprechend schreiben können).
So und nachdem sowieso klar ist, dass niemals eine Krähe der anderen … usw…. und ich keine weitere Zeit bei euch verschwenden will, könnt ihr diesen Beitrag nun auch wieder kommentarlos in die Tonne kloppen und vergessen
gruss
grub grab
Erstellt am 24.5.2008 um 3:55
“Denke auch, dass Transparenz “von innen” der erste Schritt sein muss und das eine wirklich sinnvolle, externe Prüfung sehr aufwendig wäre.”
du meinst also, der erprobte Weg, der Verschwendung und Korruption Tor und Tür öffnet und Transparenz verhindert soll weiter beschritten werden.
Dass gerade und besonders auch die angeblich so sauberen “Wohltätigen” und “Frommen” in Hinsicht Korruption und Verschwendung geradezu Vorbildfunktion ausüben, hat jüngst - anlässlich des “versehentlich” aufgekommenen Unicef-Skandals - wieder einmal einer der seltenen mutigen “Nestbeschmutzer” festgestellt. Er weiß offenbar sehr genau, wovon er redet und er fordert deswegen beständige bedingungslose, öffentliche, umfangreichste, Offenlegungen und unangemeldete externe Kontrollen. Leider wird das gegen die großen Konzerne nicht durchzusetzen sein.
so,das musste nun doch noch sein ;-)
Erstellt am 24.5.2008 um 17:35
Hi grub grab!
Habe keinen Kommentar von Dir gelöscht, sondern nur einen in die “Moderation erwartend”-Ecke zurückverschoben. Der Grund bestand bzw. besteht darin, dass ich gerne Belege oder zumindest Hinweise für einige Deiner Vorwürfe hätte (”gefälschte Plakatzitate, Missbrauch von Spendengeldern”).
Diesbezüglich hatte ich Dir auch gleich eine Email geschrieben, aber da habe ich mich wohl vertippt, oder Du hast nicht Deine Echte angegeben (ist ja auch bei jedem Kommentar eine andere).
Abgesehen davon bin ich der Meinung, dass der Tonfall des Kommentars auch nicht wirklich förderlich für eine eine sinnvolle Auseinadersetzung war (”Verarschung” etc.), aber das musst Du wissen.
Erstellt am 27.5.2008 um 19:17
hi Basti
die (Spam)Adressen sind echt und bisher bermerkte ich keine Ausfälle. Wenn es ein E-Mail Problem gab, ok kein Problem, aber dann hättest du immer noch - wie diesmal - deine Reaktion noch zusätzlich an die Kommentare anhängen können.
und tschüß
grub grab
Erstellt am 29.5.2008 um 14:01
Hi grub grab!
Hast recht, hätte das auch per Kommentar posten sollen. Nächstes mal wirds so gemacht (bin ja noch ein Bloganfänger).
Gruß,
Basti