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Archiv für die Kategorie ‘Mikrofinanzen-Mikrokredite’

Kiva vs. MicoPlace vs. MyC4
30.6.2008, 11:41 Uhr

Nachdem Steve ja bereits über Kiva berichtet hat und ich hier auf mögliche Kritikpunkt eingegangen bin, will ich besagte Mikrokredit-Plattform nun noch mal im Rahmen zweier ähnlicher Angebote präsentieren.

Das wichtigste zur ältesten und mit Abstand bekanntesten Internetplattform für die Abwicklung von Mikrokrediten wurde ja bereits in den beiden oben genannten Artikeln zusammengefasst. Daher sei hier nur noch mal gesagt, dass es sich bei Kiva um eine gemeinnützige Organisation handelt, über deren Plattform man sich in 25 US$ - Paketen an der Vergabe von Kleinstkrediten an ausgewählte Einzelpersonen in Entwicklungsländern beteiligen kann. Zinsen erhält man dafür nicht, sondern wird im Gegenteil noch zu einer Spende an Kiva selbst animiert, damit diese nachhaltig arbeiten kann. Kiva leitet das Geld dann kostenfrei an entsprechende Partnerorganisationen in dem jeweiligen Land weiter, welche dann letztendlich Kredite an die ausgewählten KleinstunternehmerInnen vergibt. Dies geschieht jedoch keinesfalls umsonst, denn der Organisation entstehen ja nach wie vor Kosten, die durch Kiva nicht kleiner geworden sind (z.B. durch die Erstellung von Onlineprofilen der KreditnehmerInnen). Für die Zukunft ist laut Kiva auch geplant, den Kreditgebern zu ermöglichen, Zinsen zu verlangen. Aber wann und unter welchen Umständen dies passieren wird, ist noch nicht klar. Unstrittig allerdings ist Kivas Erfolg bei der Erschließung neuer, sozialer Investoren. Laut Website werden über die Plattform inzwischen mehr als 2,5 Mio. US$ pro Monat vermittelt.

Nachdem Wirtschaftsstudentin Tracey Pettengill Turner erstmalig vom Konzept der Mikrofinanzierung gehört hatte, war sie schnell begeistert. Um sich jedoch selbst ein Bild zu machen, ob und wie das in der Praxis funktioniert, beschloss sie, der Grameen Bank in Bangladesch einen Besuch abzustatten. Nachdem sie sich dort zusätzliche Inspiration geholt hatte (ein solcher Aufenthalt hat ja auch schon andere auf dumme Gedanken gebracht… -> siehe “Von der Grameen Bank zu Helpedia“), kam ihr die Idee, auch “einfachen Leuten” aus den USA die Möglichkeit zu geben, in diese gute Sache zu investieren. Dies war dann die Geburtsstunde von MicroPlace. Durch Kontakte zu eBay, dessen Gründer ja bekannt sind für ihre Unterstützung von Social Entrepreurs, wurde MicroPlace dann im Sommer 2006 zu einer “eBay Company”. Im Gegensatz zu Kiva ist MicroPlace keine gemeinnützige Organisation, aber man hat glaubhaft versichert, dass eventuelle Gewinne nicht an die eBay-Aktionäre, sondern an andere soziale Initiativen fließen würden (im Zweifelsfall die eBay Stiftung). Soweit zum Hintergrund. Für die normale Nutzerin besteht der Hauptunterschied zu Kiva darin, dass man bei Microplace keinen Einzelpersonen, sondern Mikrofinanzinstitutionen Geld leihen kann. Über die auf soziale Investments spezialisierte Calvert Foundation bzw. Oikokredit werden die Einlagen der ausgewählten Organisation zur Verfügung gestellt. Neben zahlreichen Entwicklungsländern kann man über MicroPlace seit neustem auch Projekte in den USA unterstützen. Ein weiterer Unterschied zu Kiva ist, dass man Zinsen auf seine Einlagen erhält, wobei diese momentan noch bei bescheidenen 1,25% - 3% liegen.

Den wohl kreativsten Ansatz fährt das im Mai 2006 vom dänischen Geschäftsmann Mads Kjær gegründete Unternehmen MyC4. Einerseits kann man sich hier wie bei Kiva direkt einzelne KleinstunternehmerInnen aussuchen, die man mit Hilfe einer Mikrofinanzinstitution unterstützen möchte. Andererseits erhält man auf die entsprechenden Investitionen durchaus Zinsen. Diese werden jedoch nicht einfach festgelegt, sondern durch eine Art Auktionsverfahren ermittelt, wobei die maximale Verzinsung bei 25% liegt. Für die KreditnehmerIn kommen da dann allerdings noch mal diverse Aufschläge von MyC4 sowie den an der Kreditvergabe beteiligten Institutionen dazu. Seit Beginn der Unternehmung wurden laut Website schon über 2,2 Mio. € an knapp 1.500 Kleinstunternehmen vermittelt, wobei die durchschnittlichen, von den Nutzern (Kreditgebern) verlangten Zinsen bei 12% lagen. Im Unterschied zu Kiva kam die Anschubfinanzierung des Projektes übrigens nicht aus dem Technologieumfeld, sondern zum einen von dem Maschinenbauunternehmen Kjær Group bzw. dessen Geschäftsführer und zum anderen und DANIDA, einer dänischen Institution des staatlichen Entwicklungszusammenarbeit.

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Kritik an Kiva!?
17.5.2008, 19:53 Uhr

Nachdem Stephan hier ja schon über Kiva, die Onlineplattform zur Vermittlung von Mikrokrediten, geschrieben hat, sollen hier nun auch noch ein paar Worte von mir folgen. Insbesondere möchte ich auf die Kritik eingehen, die zum einen diesem Spiegel-Artikel zu entnehmen ist, welche ich in ähnlicher Form aber auch schon selbst von diversen Mikrofinanzexperten vernommen habe.

Obwohl es den Eindruck macht, kann über Kiva einer armen Kleinstunternehmerin aus einem Schwellen- oder Entwicklungsland nicht direkt ein Kredit gegeben werden. Was man allerdings mit Hilfe der Kiva-Plattform machen kann, ist Geld an eine Mikrofinanzinstitution weiterzuleiten, die es wiederum an die ausgewählte Person verleiht. Besagte Mikrofinanzinstitution erhält das Geld dabei unentgeltlich, verlangt aber durchaus Zinsen von der Endkundin. Das ist gut und richtig so, liegt es doch in der Natur der Sache, dass die Transaktionskosten von Mikrofinanzinstitutionen verhältnismäßig hoch liegen (wer hier mehr wissen will, kann gerne einen Blick in meine Diplomabreit über Mikrokredit-Zinsen werfen). Dies wird in der Fachwelt auch nicht kritisiert, ganz im Gegenteil. Der eigentliche Vorwurf der ExpertInnen besteht nämlich darin, dass die Mikrofinanzinstitutionen selber keine Zinsen an Kiva zahlen müssen. Durch diese zinslosen Darlehen würden Kivas Partnerorganisationen einen nicht marktkonformen Wettbewerbsvorteil erhaltenen. Dieser könnte wiederum die Vernachlässigung alternativer Finanzierungsquellen, wie z.B. lokaler Spareinlagen, nach sich ziehen und mittelfristig zu einer Abhängigkeit von Kiva führen.

Abgesehen davon, dass es interessant ist, dass diese Vorwürfe u.a. von Vertretern staatlicher Entwicklungszusammenarbeitsinstitutionen kommen, die ja selber in der Regel zumindest stark subventioniert Darlehen vergeben (+ Beratungsgoodies), wurde hier meiner Meinung nach auch ein anderer wichtiger Punkt außer Acht gelassen. Kiva war und ist ein Startup, welches zum Zeitpunkt des Spiegelartikels gerade mal 2 Jahre auf dem Buckel hatte (davon 6 Monate als nebenberufliches “Hobbyprojekt”)! Noch dazu von Menschen gegründet, die einen technischen und keinen entwicklungspolitischen Hintergrund haben. Man verstehe mich nicht falsch, es liegt mir fern eine womöglich schädliche Institution mit Unwissenheit bzw. mangelnder Fachkenntnis zu entschuldigen. Ich plädiere aber stark dafür, sich mit einer Bewertung etwas mehr Zeit zu lassen. Zu erwarten, dass Kiva knapp 2 Jahre nach Gründung bereits alles richtig macht, erscheint mir geradezu naiv. Außerdem lässt sich der Vorwurf der zinslosen Darlehen an Mikrofinanzinstitutionen zumindest abschwächen, indem man die zusätzlichen Transaktionskosten beachtet, welche durch eine Partnerschaft mit Kiva entstehen. Von jeder Kreditnehmerin ein eigenes Onlineprofil zu erstellen ist im Verhältnis zu Kreditsummen von teilweise kaum 100 US$ durchaus ein Kostenfaktor (die Kreditsachbearbeiter arbeiten durchaus nicht ehrenamtlich).

Inzwischen wurden die oben aufgeführten Risiken auch von Kiva erkannt und so kann eine Mikrofinanzinstitution maximal 30% ihres Kreditportfolios durch Darlehen von Kiva decken. Somit wird zumindest einer kompletten Abhängig von Kivas Geldmitteln ein Riegel vorgeschoben. Zusätzlich schließt Kiva für die Zukunft nicht aus die Kredite nicht mehr völlig kostenfrei weiterzugeben. Damit könnten nicht nur die oben beschriebenen Marktverzerrungen vermieden werden, sondern es würde auch eine nachhaltige Finanzierung von Kiva selbst ermöglicht (wie man das marketingtechnisch über die Bühne bringen will steht auf einem anderen Blatt).

Wer jetzt noch am Engagement, Innovationskraft und Lernbereitschaft von Kiva zweifelt, dem sei dringend das oben eingebettete Video mit Kivas Präsidenten Premal Shah empfohlen (leider nur auf Englisch). Denke von dem kann sich der/die ein oder andere Aktive im gemeinnützigen Sektor noch ne Scheibe abschneiden (der Schreibende eingeschlossen).

Kiva.org - Mikrokredite selbstgemacht!
2.5.2008, 20:02 Uhr

Asha Bakari ist 22 Jahre alt, sie lebt in Tansania und ist die Besitzerin eines kleinen Geschäfts. Für dieses braucht sie dringend ein Darlehen, um ihr Sortiment zu vergrößern.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat sie ihr Projekt auf Kiva.org vorgestellt und es darüber geschafft, zusammen mit einer Gruppe anderer Geschäftsfrauen einen Mikrokredit zu bekommen.
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Was also ist Kiva?

Kiva ist eine Organisation, die es jedem Menschen mit Kreditkarte oder PayPal-Account über das Internet ermöglicht, Kleinstunternehmern in Entwicklungsländern Geld zu leihen.

Diese Gelder werden als Darlehn über die Kivaplattform an eine Partnerorganisation in dem jeweiligen Land vergeben, die diese an die ausgewählte Kreditnehmerin weiterleitet.

Da man als Kreditnehmer wie Kreditgeber auf Kiva mit eigenem Profil zu sehen ist, wurde die Seite auch schon als “Myspace der Entwicklungshilfe” bezeichnet. Dies mag allerdings nur auf den ersten Blick so erscheinen.

Bei Kiva handelt es sich nicht um ein Social-Network, denn eine Kommunikation der Nutzer untereinander ist nicht möglich. Im Mittelpunkt steht ganz klar die Darstellung der durch die Vergabe von Mikrokrediten entstandenen Geschäftsbeziehungen.

Kritische Stimmen behaupten jedoch, dass dies im Falle Kivas nicht zu erwarten sei, da Kivas Partnerorganisationen die Kredite zinslos erhalten (nicht jedoch die eigentlichen Kreditnehmerinnen) und es somit langfristig zu Marktverzerrungen und kontraproduktiven Abhängigkeitsverhältnissen kommen würde (ich verweise hier auf diesen Artikel auf Spiegel Online - auf den Basti hier noch etwas näher eingeht).

Trotz dieser Kritik entschied ich mich Kiva.org auszutesten, da mich die Idee einer einfachen, mikrokreditbasierten Unterstützung überzeugte.

Nun gut, und wie sieht das jetzt im Detail aus?

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Helpedia Interviews: Delphine Balzagette von PlaNet Finance Deutschland
15.4.2008, 14:57 Uhr

Nicht zuletzt inspiriert von Gründerszene (man beachte die kleine Reminiszenz am Anfang ;-), haben wir von Helpedia uns dazu entschlossen mal auszuprobieren, ob es nicht auch spannend wäre, einige interessante Persönlichkeiten aus der Non-Profit Welt per Video vorzustellen.

Den Anfang hierbei macht Delphine Balzagette, die seit einem guten Jahr dabei ist, in Deutschland einen Ableger der international schon sehr aktiven Mikrofinanz-NGO PlaNet Finance (http://deutschland.planetfinance.org) aufzubauen. Neben Hintergründen zur Welt von Mikrokredit und Co. berichtet sie auch über ihre Motivation sich in einer gemeinnützigen Organisation zu engagieren, die Herausforderungen in Deutschland eine solche aufzubauen und Möglichkeiten der ehrenamtlichen Mitarbeit.

Sollte sich übrigens jemand für die Idee begeistern können, kleine Video-Porträts von GründerInen oder MitarbeiterInnen sozialer Initiativen zu erstellen, so würden wir uns über eine entsprechende Kontaktaufnahme engagierter (Hobby-)Filmer sehr freuen.

Mikrokredit-Zinsen
19.1.2008, 13:53 Uhr

Da ich in aufgrund meiner kleinen Artikelserie über die Grameen Bank wiederholt auf die Hintergründe sowie Sinn und Unsinn der Mikrokredit- bzw. Mikrofinanzbewegung angesprochen wurde, will ich hier zumindest ganz kurz auf einen der Hauptvorwürfe eingehen.

Ein immer wieder aufkommender Kritikpunkt besteht darin, dass man den oft bitterarmen Menschen keine Zinssätze von 20% oder mehr zumuten könne. Im ersten Moment mag das in der Tat unmenschlich klingen, aber ich bin der festen Überzeugung, dass dies, gerade im Sinne der besagten Zielgruppe, nicht nur sinnvoll, sondern sogar notwendig ist.

Erst einmal muss man sich klarmachen, dass der Personalaufwand, um seriös über einen Kreditantrag zu entscheiden, unabhängig davon ist, ob man nun 50.000€ oder nur 50€ zu verleihen gedenkt. Ein gewichtiger Unterschied besteht allerdings darin, dass ein Zinssatz von 10%, auf 50.000€ bezogen, zu stattlichen Einnahmen von immerhin 5.000€ führt. Diese sind, selbst nach Abzug eventueller Refinanzierungskosten, ausreichend um einen entsprechenden Kreditsachbearbeiter den einen oder anderen Tag zu beschäftigen. 10% von 50€ sind hingegen nur 5€ und damit kommt man auch in Bangladesch nicht sehr weit. In absoluten Zahlen gesehen sind die Zinsen, die von den meisten Mikrofinanzinstitutionen verlangt werden, also sogar verdammt niedrig. Dies fällt auch auf, wenn man sie mit den Sätzen der häufig einzigen Alternative, nämlich den klassischen Kredithaien, vergleicht. Diese verlangen nicht selten 1000% oder mehr pro Jahr. Es ist außerdem wichtig zu berücksichtigen, dass die Investitionen, die aus den Mikrokrediten finanziert werden, in den meisten Fällen hoch profitabel sind. Oftmals wird es den KreditnehmerInnen durch eine entsprechende Investition überhaupt erst möglich, ihre Arbeitskraft produktiv einzusetzen. So banal es klingt, aber einen Schuhputzkasten oder eine Rikscha zu haben oder nicht zu haben macht einen riesigen Unterschied. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital bei derartigen Mikroinvestitionen liegt in der Regel bei weit über 100% pro Jahr und ist somit deutlich höher als die Zinssätze sämtlicher Mikrofinanzinstitutionen.

Natürlich kann man immer noch argumentieren, dass es dennoch fair wäre, den armen Menschen keine Zinsen aufzudrücken, selbst wenn sie diese zurückzahlen können. Auch hier bin ich allerdings anderer Meinung und glaube, es wäre gerade für die Menschen, die man eigentlich unterstützen möchte, fatal, darauf zu verzichten. Ohne Zinsen hat keine Finanzinstitution auch nur die Aussicht, jemals aus der Abhängigkeit von externen Zuschüssen auszubrechen. Da derartige Fördergelder aber extrem begrenzt sind, würde es Jahrzehnte dauern, bis der riesige Kapitalbedarf der geschätzt 500 Millionen KleinstunternehmerInnen in Schwellen- und Entwicklungsländern durch Spenden oder staatliche Zuschüsse gedeckt würde. Wenn man also darauf verzichtet, Zinsen zu nehmen, um damit die laufenden Kosten zu decken sowie Investitionen in neue Filialen und Mitarbeiter zu finanzieren, trägt man zumindest indirekt dazu bei, weiterhin Millionen armer Menschen den Zugang zu Krediten und damit oftmals auch die Chance auf eine bessere Zukunft zu verwehren.

Wer noch immer Zweifel hat, dem möchte ich bitten, einen Blick in meine Diplomarbeit von 2004 zu werfen, in der ich mich noch etwas intensiver mit dieser Frage auseinander gesetzt habe:

Sorry, leider nur in (schlechtem) Englisch vorhanden.Wenn’s noch Fragen gibt, dann immer her damit!

Von der Grameen Bank zu Helpedia (3. Teil)
14.1.2008, 13:39 Uhr

Willkommen zum 3. und letzten Teil meiner kleinen Blog-Serie über meine Erfahrungen mit der Grameen Bank in Bangladesch.

Um zu “Von der Grameen Bank zu Helpedia (1. Teil)” bzw. zu “Von der Grameen Bank zu Helpedia (2. Teil)” gelangen, folgt einfach den Links.

Zurück in Dhaka und nach einem wohlverdienten (?) Ruhetag besichtigten wir ein Grameen-Bank-Nachahmerprogramm in der Nähe meines Hotels. Auch hier das gleiche Bild. Es ist erstaunlich zu sehen, dass man armen Menschen keinen Job oder eine Ausbildung zu geben braucht, um ihre Lebenssituation zu verbessern. Man muss ihnen einfach etwas Geld überlassen, und sie werden schonEssen in Bangladesch Mittel und Wege finden, dieses produktiv einzusetzen. Statt wie andere Hilfsprogramme zu versuchen, die Armen mit neuen Fähigkeiten auszustatten, baut die Grameen Bank auf den bestehenden auf und ist damit sehr erfolgreich. Laut einer Studie der Welt Bank durchbrechen jedes Jahr 5% der Kreditnehmerinnen und deren Familien die Armutsgrenze, und einer bereits erwähnten internen Untersuchung zu Folge, haben dies insgesamt schon fast die Hälfte der Kundinnen geschafft. Am nächsten Abend (es war mein Geburtstag, was jedoch niemand wusste) haben die gute Kashfia und deren Familie alle Teilnehmer besagten Ausflugs und eine australische Praktikantin zum Abendessen eingeladen. Selten so gut gegessen!! Auch die Atmosphäre war sehr, sehr nett, und ich kam mir aufgrund der vielen internationalen Gäste mal wieder vor wie auf nem kleinen UN-Gipfel. Auch die etwas eigentümlichen Tischsitten konnten der guten Laune keinen Abbruch tun. Zum einen pflegt man hier mit den Händen zu essen, zum anderen nehmen die Gastgeber nicht zusammen mit den Gästen am Tisch Platz, sondern stehen während des gesamten Essens darum herum und fragen alle 20 Sekunden, ob man irgendeinen Wunsch habe. Tja, andere Länder andere Sitten… ;-). Auf der Fahrt ins Hotel hatte sich dann doch noch rumgesprochen, was vor genau 24 Jahren passiert ist, und so ließen es sich die Repräsentanten der Karibik nicht nehmen, mir ein Geburtstagslied nach dem anderen zu singen, so dass mir doch noch gehuldigt wurde wie es gut und richtig ist ;-).

Bevor ich auf aktuelle Ereignisse zu sprechen komme, will ich noch kurz kundtun, inwiefern mich die beobachtete Armut berührt hat.

Bangladesch ist das ärmste Land, welches ich bisher besucht habe. Obwohl Hungersnöte größeren Ausmaßes in den letzten JahrenBettlerinnen? Nein, Kundinnen!nicht mehr vorgekommen sind, gibt es nach wie vor eine Vielzahl von Menschen die unterernährt sind und von 3 Mahlzeiten am Tag nur träumen können. Man muss kein Ernährungswissenschaftler sein, um dies zu bemerken, für jeden der mit offenen Augen durch dieses Land geht ist es offensichtlich. In Dhaka werde ich jeden Tag von zahlreichen Bettlern angesprochen, von denen viele so verstümmelt sind, wie ich es bisher noch nicht gesehen habe. Kinderarbeit ist gang und gebe, und wenn ich abends durch die Strassen gehe, sehe ich, wie es sich einzelne Menschen, teilweise aber auch ganze Familien, auf dem Asphalt „bequem“ machen. Darunter ebenfalls Kinder, die um diese Zeit eigentlich mit ihren Eltern streiten sollten, ob sie noch etwas fernsehen dürfen, bevor sie in IHR Bett in IHREM Zimmer gehen. Für diese Personen wie auch für die bereits erwähnten Bettlerinnen in den Dörfern wird es jedoch erst richtig schwierig, wenn ihnen irgendetwas zustößt (Unfall, Alter, Krankheit). Oft bleibt ihnen dann nichts anderes als zu beten und auf ein besseres Leben nach dem Tod zu hoffen.

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Von der Grameen Bank zu Helpedia (2. Teil)
9.1.2008, 12:54 Uhr

Wie angedroht hier nun der 2. Teil meiner kleinen Blog-Serie über meine Erfahrungen mit der Grameen Bank in Bangladesch.

Um zu “Von der Grameen Bank zu Helpedia (1. Teil)” zu gelangen folgt einfach dem Link.

Bevor ich weiter auf meine Erlebnisse in und mit der Grameen Bank eingehe, will ich ganz kurz deren Geschichte und die ihr zugrunde liegende Philosophie skizzieren:

Als Bangladesch 1974 von einer schweren Hungersnot geplagt wurde, ging Muhammad Yunus, dem damalige Leiter derZu Gaste beim wöchentliches Treffen der Kreditnehmerinnenwirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Chittagong, die Nutzlosigkeit seiner Lehrtätigkeit auf. Wozu dienen schöne und elegante Theorien, wenn Menschen auf den Bürgersteigen und vor den Hauseingängen verhungern? Um herauszufinden wie er konkret helfen konnte, besuchte er das Dorf Jobra und traf dort Sofia Begum, die sich durch die Herstellung von Bambushockern am Leben hielt. Da sie sich die 22 Cent für die täglich notwendigen Rohmaterialien aber nicht leisten, konnte lieh sie sich das Geld von einem Zwischenhändler unter der Bedingung, dass sie ihm am Ende eines jeden Tages den Hocker für 24 Cent überlassen musste, ihr blieben also lediglich 2 Cent. Ja, Du hast richtig gelesen, 2 Cent! Das war auch 1974 in Bangladesch kaum zu viel zum sterben. Wenn man in den Nachrichten hört, es gäbe weltweit über 1,3 Milliarden Menschen, die mit weniger als 1 Dollar pro Tag auskommen müssten, so heißt weniger nicht automatisch 99 Cent.

Nach einer Befragung weiterer Personen im Dorf stellte sich heraus, dass hier 42 weitere Menschen mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Insgesamt waren sie mit sage und schreibe 27 Dollar bei Zwischenhändlern und Geldverleihern verschuldet, die kein Interesse daran hatten, irgendetwas an diesem Abhängigkeitsverhältnis zu ändern. Professor Yunus entschloss sich, den Armen die genannte Summe zu leihen, ohne jedoch dabei die üblichen Wucherzinsen zu nehmen (anfänglich nahm er überhaupt keine Zinsen). Später institutionalisierte er diesen Ansatz, und heute verleiht die Grameen Bank Geld an über 2,7 MillionenStraßenszene in DhakaMenschen, von denen fast die Hälfte bereits die Armutsgrenze überschritten hat (um den ersten Kredit bei der Grameen Bank zu erhalten muss man nachweislich arm sein). Bis auf die Jahre 1983, 1991 und 1992 hat die Grameen Bank jedes Jahr einen Gewinn erwirtschaftet und nimmt seit 1998 keine Spendengelder oder zinsvergünstigte Kredite mehr an [Anmerkung von Basti 2008: Inzwischen muss ich kritisch anmerken, dass die Grameen Bank nicht gerade berühmt für die Qualität ihrer Jahresabschlüsse ist und durch Garantien der Regierung auch nach 1998 in den Genuss indirekter Zinssubventionen gekommen ist. Das ändert allerdings nichts an der grundsätzlichen Aussage und da die Bank inzwischen über mehr Einlagen als ausstehende Kredit verfügt, spielen Zinssubventionen ohnehin keine Rolle mehr]. Die Idee des Mikrokredits wurde seitdem in zahlreiche Länder übertragen (u.a. in die USA), und inzwischen profitieren mehr als 50 Millionen Familien weltweit von ähnlichen Programmen. Entgegen aller Voraussagen sind die Armen sowohl gewillt als auch in der Lage, die aufgenommenen Kredite inklusive Zinsen zurückzuzahlen. Mit 99% ist die entsprechende Quote bei der Grameen Bank (GB) deutlich höher als bei wahrscheinlich sämtlichen Banken der Industrieländer. Da man sich aber auch bei der GB bewusst ist, dass Kleinstkredite nicht allein die Armut beenden können, wurden bis zum heutigen Tage 22 (finanziell unabhängige) Tochterunternehmen gegründet, die sich ebenfalls dem Ziel der Armutsbekämpfung verschrieben haben. So werden z.B. mit Hilfe von Mobiltelefonen (die Besitzerin wird zur „Telefonzelle“ des Dorfes) oder Solaranlagen Einkommensquellen für die Bedürftigsten geschaffen. Die Bank gehört im Übrigen zu 93% den Kreditnehmerinnen selbst, die auch 9 der 12 Aufsichtsratmitglieder stellen (den Rest stellt die Regierung von Bangladesch).

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Von der Grameen Bank zu Helpedia (1. Teil)
3.1.2008, 16:35 Uhr

Während im Hintergrund fleißig daran gewerkelt wird wir das bisher erhaltene Feedback sowie ein paar Erweiterungen umzusetzen, wollen wir die Chance nutzen und das Helpedia-Team etwas genauer vorstellen. Den Anfang wird dabei meine Wenigkeit machen, wobei ich es Euch erspare, meinen Lebenslauf einfach in Prosa wiederzugeben (die „harten Fakten“ findet Ihr hier), sondern von einer der wahrscheinlich prägendsten Erfahrungen meines Lebens berichten werde.

Ohne mein Praktikum bei der Grameen Bank und der damit verbundenen Zeit in Bangladesch hätte ich wohl nie den Versuch gewagt, mich mit einer gemeinnützigen Organisation selbstständig zu machen.

Begonnen hat das Ganze vor circa zehn Jahren, als mich der jetzige Helpedia-Mitgründer Matthäus erstmalig auf die Grameen Bank aufmerksam gemacht hat und fasziniert davon berichtete, wie diese inzwischen von Spenden praktisch unabhängige Finanzinstitution Millionen Menschen aus der Armut befreit hat.

Zusammen mit dem kleinen, großen MannIch muss gestehen, dass ich damals trotz spontaner Begeisterung wenig Muße hatte, mich näher mit dieser Thematik zu beschäftigen, da ich völlig dem um sich greifendem Börsenfieber jener Tage erlegen war. Als mir der Kapitalismus dann aber seine hässliche Fratze zeigte, sprich meine Konfirmationstaler im allgemeinen Börsencrash pulverisiert wurden, begann ich damit, meine soziale Ader wieder zu entdecken (hatte auch vorher schon eine kleine „Aktivisten Karriere“ hinter mir). Den Rest gab mir einige Zeit später die extrem lesenwerte Biographie des Grameen Bank Gründers Muhammad Yunus (selbst Mutti fand sie gut!) sowie die Gelegenheit, im Rahmen einer Studenten-Konferenz einem ebenso spannenden wie inspirierendem Vortrag über eben jene Institution zu lauschen (Dank an Nancy). So entstand in mir der Wunsch, sich die Sache einmal selber anzuschauen.

Gesagt – getan. Also brach ich im Herbst 2003 für drei Monate nach Bangladesch auf, um dort ein Praktikum bei jener, inzwischen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten, Bank zu absolvieren. Was mir dort widerfahren ist, könnt Ihr dem nun folgenden Praktikumsbericht entnehmen, der bis auf einige winzige und meist rein orthographische Änderung genau dem entspricht, was ich vor ca. vier Jahren an einige FreundInnen verschickt habe. Insofern bitte ich um Milde, wenn ich hier und da vielleicht einige politisch unkorrekte Verallgemeinerungen vornehme und für die eine oder den anderen etwas zu sehr mit meiner damaligen studentischen Lebensweise kokettiere.

Anyway, genug der Vorrede:

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