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Archiv für die Kategorie ‘Inspirierende Bücher’

Inspirative Bücher: Fast nackt
20.2.2008, 1:09 Uhr

Leo ist Journalist beim Guardian und eigentlich ein ganz normaler Großstadtbewohner. Dies ändert sich zu dem Zeitpunkt, an dem er sich entscheidet, ein “ethisches Experiment” anzufangen.

Sein bisheriges Leben (das von unkritischem Konsum dominiert war) wird nach ethischen Gesichtspunkten hinterfragt und diesbezüglich abgeändert.

Seine Frau wird überredet, bei dem Projekt mitzumachen (mehr oder minder freiwillig) und auch seine kleine Tochter Esme zieht im Kampf für die gute Sache die “ethisch korrekte”, wiederverwendbare Windel an (oder besser gesagt, bekommt sie von den Eltern übergestülpt).

Leo Hickmanns Buch - Fast nacktAls Unterstützung greift er auf drei Berater zurück, die seine Lebensgewohnheiten beobachten und ihm Änderungsvorschläge unterbreiten. Stückweise nehmen die Berater Leos Leben auseinander und zeigen ihm, was für negative Auswirkungen seine bisherige Lebensweise auf die Umwelt hat, und wie er das ändern kann. Zu dem ganzen Thema hat er übrigens auch eine Kolumne verfasst und sein Experiment in dem Blog “Ethical Living” häppchenweise an die Öffentlichkeit getragen)

Bei den Änderungsversuchen setzt dann der Unterhaltungswert des Buches “Fast nackt” ein, welches eben diese beschreibt auf sehr ironische Weise beschreibt. Von wiederverwendbaren Windeln (die auslaufen), bis hin zum eigenen Wurmkompost schildert Leo seine Versuche, sich vorbildlich zu verhalten.

Es wird dargelegt, welche Überlegungen sich der Autor über biologische Putzmittel, Müllvermeidung und die ökologisch verträgliche Umgestaltung seines Hauses macht. Besonders amüsant erschienen mir seine rationalen Ideen zu einem alternativen Weihnachtsfest.

“Ganz gleich, unter welchem Blickwinkel Sie es betrachten, einen Baum abzuholzen, ihn hunderte von Kilometern zu transportieren, elektrische Lichter daran zu hängen und ihn drei Wochen später wegzuwerfen, ist ein wenig verrückt. Am besten wäre es wahrscheinlich, überhaupt keinen Baum zu haben und nur eine Topfpflanze zu dekorieren, aber irgendwie vermittelt das nicht den gleichen Zauber. (Mummy, Mummy, wann dürfen wir die Zimmerlinde schmücken? )” (S. 303)

Außerdem wollte er seiner Familie ein vegetarisches Weihnachtsessen verabreichen (anstelle des obligatorischen Truthahns). Aber am Ende siegt dann doch der traditionelle Baum und es gibt Biofleisch.

(more…)

Inspirative Bücher: Rüdiger Nehberg - Die Autobiographie
17.1.2008, 22:24 Uhr

Hallo,

nun möchte ich mich hier auch mal zu Worte melden. Eine ausführliche Vorstellung meiner Person kann der “Über Uns”-Seite entnommen werden. (Ja, genau, ich bin der Kerl mit dem grauen Anzug und der Brille.) Da ich auch in der Blog-Redaktion tätig bin, wird auch von mir gelegentlich hier etwas zu lesen sein. Aus diesem Grund möchte ich auch die Rubrik “Inspirative Bücher” eröffnen.

Die Bücher, die hier vorgestellt werden, befassen sich (zumindest im weitesten Sinne) mit den Themengebiet “Weltverbesserung”.

Ein Buch das mir kürzlich in die Hände gefallen ist, (okay, genauer gesagt, es war ein Weihnachtsgeschenk, herzlichen Dank noch mal an dieser Stelle) ist die Autobiographie von Rüdiger Nehberg.

Rüdiger NehbergRüdiger Nehberg ist als Surrvival-Experte und Abenteurer bekannt. Durch seine medienwirksamen Aktionen für die Yanomami-Indianer in Brasilien hat er sich wiederholt pressewirksam für Menschenrechte eingesetzt. Er engagiert sich in letzter Zeit in der von ihm gegründeten Organisation Target. Diese setzt sich insbesondere für die Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM: Female Genital Mutilation) ein und hilft den Frauen, die Opfer dieses Brauches werden.

Also, warum sollte man das Buch nun lesen, wenn man vieles über Herrn Nehberg auch aus dem Eintrag bei Wikipedia erfahren kann?

Allgemein zeigt das Buch den Werdegang des Abenteurers Rüdiger Nehberg. Seine Jugendjahre, in denen er sich z.B. durch Rattenfangen das Taschengeld aufbesserte, und seine Kontroversen zum konservativen Elternhaus werden beschrieben. Auch seine Lehrjahre als Konditor und seine erste weite Reise mit dem Fahrrad nach Marakesh werden dargestellt. Er berichtet von seiner Tätigkeit als selbständiger Konditor in Hamburg und wie er sich mit dem Thema Survival auseinandersetzte. Vor diesem Hintergrund wird auch dargelegt, warum er sich für Menschenrechte engagiert, und weshalb es zu der Gründung von Target kam. Dem Leser wird nahe gebracht, wie Nehbergs persönlicher Einsatz für die Menschenrechte motiviert ist, und welche Aktionen er diesbezüglich durchführte.

Das Ganze ist leicht zu lesen, und der nun über 70-jährige gibt auch offen einige Jugendsünden zu. Den Charme des Buches machen die Persönlichkeit des Autors und seine unterhaltsamen Anekdoten aus. Sein Werk ist mit einem Augenzwinkern zu lesen, was schon auf den ersten Seiten zu erkennen ist.

Bereits im Vorwort macht der Autor klar, dass ihn seine Lektorin und seine Lebensgefährtin zu diesem Buch anlässlich seines 70. Geburtstages überredet hätten. Da er ja schon viele Bücher geschrieben habe, könne er nun wirklich nichts “ganz” Neues aus dem Ärmel zaubern. Die argumentativen Bemühungen, sich gegen die beiden Frauen durchzusetzen, um keine Autobiographie schreiben zu müssen, scheiterten jedoch. Auch der Versuch, im “Nachwort des Vorworts” alle Kritik des Lesers auf die beiden Damen abzuwälzen, wird an dieser Stelle ignoriert. Die nun folgenden Worte sind direkt an Rüdiger gerichtet. (Das sei hier nur angemerkt, falls der Autor das lesen sollte und sich wegen S.13 seines Buches nicht als Adressat der Kritik sieht!)

Was im Vorwort angedeutet ist, trifft leider auf das Buch zu: Durch zu viele Verweise auf seine anderen Bücher wirkt es in manchen Teilen wie eine „Linkliste”. Wer kein eingefleischter „Rüdiger”-Fan ist, bleibt da etwas auf der Strecke. Der Inhalt ist zwar trotzdem nachvollziehbar, aber der Lesespaß leidet etwas darunter.

Ein weiterer Schwachpunkt des Buches ist, dass manche Themen und Ideen etwas zu oft wiederholt werden. Als Leser erhofft man sich zusätzliche Informationen und bekommt statt weiteren Ausführungen nur einen Verweis auf andere Bücher.

Resumé:
Rüdiger Nehberg ist eine beeindruckende Persönlichkeit, und allein aus diesem Grund ist das Buch durchaus lesenswert. Wer einen Überblick über die Aktionen von Nehberg, gewürzt mit Anekdoten, erhalten möchte, dem ist dieses Buch zu empfehlen. Mir persönlich hat das Buch gut gefallen, sozusagen ein leichter Buchsnack für zwischendurch.

Urteil:
Durchaus lesenswert, aber kein Muss.

Steve


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