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Kiva vs. MicoPlace vs. MyC4
30.6.2008, 11:41 Uhr

Nachdem Steve ja bereits über Kiva berichtet hat und ich hier auf mögliche Kritikpunkt eingegangen bin, will ich besagte Mikrokredit-Plattform nun noch mal im Rahmen zweier ähnlicher Angebote präsentieren.

Das wichtigste zur ältesten und mit Abstand bekanntesten Internetplattform für die Abwicklung von Mikrokrediten wurde ja bereits in den beiden oben genannten Artikeln zusammengefasst. Daher sei hier nur noch mal gesagt, dass es sich bei Kiva um eine gemeinnützige Organisation handelt, über deren Plattform man sich in 25 US$ - Paketen an der Vergabe von Kleinstkrediten an ausgewählte Einzelpersonen in Entwicklungsländern beteiligen kann. Zinsen erhält man dafür nicht, sondern wird im Gegenteil noch zu einer Spende an Kiva selbst animiert, damit diese nachhaltig arbeiten kann. Kiva leitet das Geld dann kostenfrei an entsprechende Partnerorganisationen in dem jeweiligen Land weiter, welche dann letztendlich Kredite an die ausgewählten KleinstunternehmerInnen vergibt. Dies geschieht jedoch keinesfalls umsonst, denn der Organisation entstehen ja nach wie vor Kosten, die durch Kiva nicht kleiner geworden sind (z.B. durch die Erstellung von Onlineprofilen der KreditnehmerInnen). Für die Zukunft ist laut Kiva auch geplant, den Kreditgebern zu ermöglichen, Zinsen zu verlangen. Aber wann und unter welchen Umständen dies passieren wird, ist noch nicht klar. Unstrittig allerdings ist Kivas Erfolg bei der Erschließung neuer, sozialer Investoren. Laut Website werden über die Plattform inzwischen mehr als 2,5 Mio. US$ pro Monat vermittelt.

Nachdem Wirtschaftsstudentin Tracey Pettengill Turner erstmalig vom Konzept der Mikrofinanzierung gehört hatte, war sie schnell begeistert. Um sich jedoch selbst ein Bild zu machen, ob und wie das in der Praxis funktioniert, beschloss sie, der Grameen Bank in Bangladesch einen Besuch abzustatten. Nachdem sie sich dort zusätzliche Inspiration geholt hatte (ein solcher Aufenthalt hat ja auch schon andere auf dumme Gedanken gebracht… -> siehe “Von der Grameen Bank zu Helpedia“), kam ihr die Idee, auch “einfachen Leuten” aus den USA die Möglichkeit zu geben, in diese gute Sache zu investieren. Dies war dann die Geburtsstunde von MicroPlace. Durch Kontakte zu eBay, dessen Gründer ja bekannt sind für ihre Unterstützung von Social Entrepreurs, wurde MicroPlace dann im Sommer 2006 zu einer “eBay Company”. Im Gegensatz zu Kiva ist MicroPlace keine gemeinnützige Organisation, aber man hat glaubhaft versichert, dass eventuelle Gewinne nicht an die eBay-Aktionäre, sondern an andere soziale Initiativen fließen würden (im Zweifelsfall die eBay Stiftung). Soweit zum Hintergrund. Für die normale Nutzerin besteht der Hauptunterschied zu Kiva darin, dass man bei Microplace keinen Einzelpersonen, sondern Mikrofinanzinstitutionen Geld leihen kann. Über die auf soziale Investments spezialisierte Calvert Foundation bzw. Oikokredit werden die Einlagen der ausgewählten Organisation zur Verfügung gestellt. Neben zahlreichen Entwicklungsländern kann man über MicroPlace seit neustem auch Projekte in den USA unterstützen. Ein weiterer Unterschied zu Kiva ist, dass man Zinsen auf seine Einlagen erhält, wobei diese momentan noch bei bescheidenen 1,25% - 3% liegen.

Den wohl kreativsten Ansatz fährt das im Mai 2006 vom dänischen Geschäftsmann Mads Kjær gegründete Unternehmen MyC4. Einerseits kann man sich hier wie bei Kiva direkt einzelne KleinstunternehmerInnen aussuchen, die man mit Hilfe einer Mikrofinanzinstitution unterstützen möchte. Andererseits erhält man auf die entsprechenden Investitionen durchaus Zinsen. Diese werden jedoch nicht einfach festgelegt, sondern durch eine Art Auktionsverfahren ermittelt, wobei die maximale Verzinsung bei 25% liegt. Für die KreditnehmerIn kommen da dann allerdings noch mal diverse Aufschläge von MyC4 sowie den an der Kreditvergabe beteiligten Institutionen dazu. Seit Beginn der Unternehmung wurden laut Website schon über 2,2 Mio. € an knapp 1.500 Kleinstunternehmen vermittelt, wobei die durchschnittlichen, von den Nutzern (Kreditgebern) verlangten Zinsen bei 12% lagen. Im Unterschied zu Kiva kam die Anschubfinanzierung des Projektes übrigens nicht aus dem Technologieumfeld, sondern zum einen von dem Maschinenbauunternehmen Kjær Group bzw. dessen Geschäftsführer und zum anderen und DANIDA, einer dänischen Institution des staatlichen Entwicklungszusammenarbeit.

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Helpedia-News vom 01.-17. Juni 2008
17.6.2008, 16:10 Uhr

Hier wie immer das Spannendste, was wir in den letzten Tagen im Internet von und über den gemeinnützigen Sektor gefunden haben (tagesaktuelle Links gibt’s rechts in der Sidebar):

Teilnehmerstimmen von KarmaKonsum 2008
Christoph Harrach berichtet über die Stimmung auf der KarmaKonsum 2008 und dem daran angeschlossenen Greencamp. Im Nachhinein schade, dass ich nicht dabei war, aber man kann halt nicht alles mitnehmen…

Unternehmen fördern ehrenamtliche Tätigkeit
Betterplace berichtet über die Vorteile, die Unternehmen davon haben, wenn sie ihre MitarbeiterInnen bei ehrenamtlichem Engagement unterstützen (sogenanntes Corporate Volunteering). Definitiv ein spannendes Thema über welches auch wir von Helpedia uns Gedanken machen. Wer mehr wissen will, dem sei der oben verlinkte Blogbeitrag, oder aber ein Blick über den großen Teich empfohlen. Eines unserer Vorbilder aus den USA (VolunteerMatch), präsentiert auf dieser Seite einige recht interessante Angebote. Die Zusammenfassung einer sehr interessanten Studie von Deloitte und Touche findet sich hier.

One click giving infrastructure (englisch)
Lucy Bernholz listet einige der bekanntesten Onlinespendenplattformen aus den USA auf und sieht die Notwendigkeit für eine Meta-Seite, auf der man alle Lösungen aus einer Hand bekommt. Dadurch könnte nicht nur die Zusammenarbeit untereinander verbessert werden, sondern auch die Bekanntheit der Projekte insgesamt erhöht werden. Mir scheint, die Argumentation könnte man auch auf andere Länder übertragen…

Disney Acquires IdealBite For $15 Million (englisch)
Nachdem Discovery Communications im letzten Jahr die Ökonewsseite/-blog Treehugger für 10 Mio. US$ übernahm, hat nun auch Disney begonnen in diesem Bereich auf Einkaufstour zu gehen und sich die Öko-Tipps Seite Idealbite für 15 Mio. US$ einverleibt (andere Quellen gehen sogar von 20 Mio US$ aus). Utopia und Co. dürfte diese Nachricht sicherlich neuen Mut gegeben haben…

Net Grants (englisch)
Sean Stannard-Stockton berichtet über das Prinzip des Net Grants, welches ich mal ganz frei mit Netto-Förderung übersetze. Was man sich darunter vorstellen kann, wird durch folgendes Beispiel klar: Eine Stiftung vergibt eine Förderung in Höhe von 100.000 €, auf die sich gemeinnützige Initiativen bewerben können. Wenn sich jetzt 100 Organisationen bewerben und jede Organisation für die Bewerbung 1.000€ investiert (wenn man Personalkosten hinzurechnet nicht unrealisitisch), dann ist die ganze Angelegenheit ein Nullsummenspiel bzw. eine absurd anmutende Umverteilung. Auch wenn das ein Extrembeispiel sein mag, so macht es doch definitiv Sinn, derartige Überlegung bei der Vergabe von Fördergeldern im Hinterkopf zu behalten.

TechCrunch, Berlin08 und Socialcamp
16.6.2008, 18:30 Uhr

Ich muss gestehen, den Blog in der letzten Woche etwas vernachlässigt zu haben, aber ich bin in den letzten Tagen einfach auf zu vielen Veranstaltungen rumgesprungen.

Angefangen hat es mit dem TechCrunch / CrunchGear Berlin Meetup am letzten Mittwoch, zu dem mich Nicholas von Twidox dankenswerter Weise eingeladen hat. Konnte dort nicht nur die beneidenswerten Büroräume von Imedo bewundern, sondern auch eine Menge sehr interessanter Leute aus der deutschen Startupszene kennen lernen. Als nächstes gilt es nun, die entsprechenden VCs, Business Angel etc. davon zu überzeugen, künftig mehr auf die soziale Rendite zu schauen… ;-) Mehr Infos findet Ihr auf dem entsprechenden Blogbeitrag von TechCrunch UK. Ein Foto von mir gibt’s hier (2. Von rechts).

Weiter ging es dann am Freitag, wo ich im Rahmen von Berlin08 an einer Podiumsdiskussion mit dem Namen „Web 2.0 – vom Mitmach-Web zur Mitmach-Gesellschaft” teilgenommen habe. Da das ursprünglich für die Veranstaltung vorgesehene Zelt nicht zur Verfügung stand, wurde versucht in einem vom Chaos Computer Club okkupierten Gebäude Zuflucht zu suchen. Als diese jedoch mitbekamen, dass besagte Diskussionsrunde vom SchülerVZ organisiert wurde, war plötzlich doch kein Platz mehr, und es musste ein weiteres Mal umgezogen werden. Insofern begann das “Spektakel” mit 1 ½ Stunden Verspätung in einem kleinen, mit allerlei Raumfahrtmodellen ausgestatteten Zimmer. Von den angekündigten 250 ZuhörerInnen waren dann auch nur noch ca. 25 übrig. So oder so fand ich‘s eine spannende Sache auf diese Weise mit ein paar SchülerInnen ins Gespräch zu kommen und auch die anderen Panel-Teilnehmer kennen zu lernen. Neben Oliver Skopec vom SchülerVZ, waren da noch Kerstin Kröning von Zoomer.de und Julia Balanowski von der Deutschen Jugendpresse (www.jugendpresse.de). Als Moderator konnte Denyo von der Band Beginner gewonnen werden, was mich persönlich ganz besonders gefreut hat (meiner Meinung nach haben die Jungs mit Bambule das beste Deutsche HipHop-Album aller Zeiten rausgebracht - sorry, konnte ich mir nicht verkneifen).

Der für mich krönende Abschluss der Woche war aber zweifelsfrei das Socialcamp. Nachdem es hier im Blog vor gut 3 Monaten das erste Mal angekündigt wurde, ist es nun Realität geworden. An dieser Stelle noch mal 1.000 Dank an alle TeilnehmerInnen, HelferInnen, Medienpartner, Förderer und Sponsoren. Meine persönlichen Eindrücke, Learnings… wird’s demnächst noch mal in einem gesonderten Beitrag geben. Bis dahin empfehle ich diese kleine Presseschau sowie die heutige (Print-) Ausgabe der taz (zumindest in Berlin wird das Socialcamp sogar auf der Titelseite erwähnt).

Give Well – Neue Ansätze bei der Evaluierung von gemeinnützigen Organisationen
4.6.2008, 17:10 Uhr

Give WellWie hier ja bereits angekündigt, will ich anhand eines konkreten Beispiels nochmals auf das Thema der Evaluierung von gemeinnützigen Organisationen eingehen. Es handelt sich dabei meiner Meinung nach um ein ebenso wichtiges wie komplexes Feld, insbesondere wenn man sich nicht auf strittige Evaluierungskriterien wie die Höhe der Verwaltungskosten oder der Vergütungsmodelle der Mitarbeiter beschränkt. Sobald man sich an die wirklichen spannenden Fragen tastet, nämlich wo man mit seiner Spende am meisten Gutes bewirken kann, wird die Angelegenheit sehr, sehr schnell fast unüberschaubar komplex.

Dies war jedoch für Holden Karnofsky und Elie Hassenfeld kein Grund sich der Herausforderung zu entziehen. Die beiden haben letztes Jahr ihre gut bezahlten Hedgefond-Jobs aufgegeben bzw. im Fall von Elie ruhen lassen, um sich dem Aufbau der gemeinnützigen Organisation Give Well zu widmen. Ursprung für die Gründung war laut dieses New York Times Artikels, der vergebliche Versuch der beiden, sinnvolle Empfehlungen bezüglich spendenwürdiger Organisationen zu finden. Natürlich gibt es auch in den USA seit langem Institutionen die sich, wie beispielsweise Charity Navigator, der Evaluierung gemeinnütziger Organisationen verschrieben haben. Ähnlich wie in Deutschland beschränken sich diese jedoch auf leicht messbare, dafür aber in der Regel wenig aussagekräftige Kennzahlen (siehe oben).

Schnell erkannten die beiden, dass man hier nebenberuflich nicht weiterkommen würde und begannen daher ein Konzept zu entwerfen und ihn ihrem Bekanntenkreis Geld für das Unterfangen zu sammeln. 300.000 US$ später (ich wünschte ich hätte mehr Freunde in der Hedgefund-Szene… ) war Give Well geboren und man machte sich an die eigentliche Arbeit. Ziel war und ist es, die besten Organisationen zu finden und nicht bloß solche, die es gut meinen und halbwegs seriös arbeiten. Hierzu wird eine große Zahl von NGOs unter Zuhilfenahme wissenschaftlicher Untersuchungen analysiert, wobei sich das konkrete Vorgehen von Give Well ganz grob in 5 Schritten unterteilen lässt:

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Helpedia-News vom 20.-31. Mai 2008
31.5.2008, 14:57 Uhr

Hier wie immer das Spannendste, was wir in den letzten Tagen im Internet von und über den gemeinnützigen Sektor gefunden haben (tagesaktuelle Links gibt’s rechts in der Sidebar):

Fussball EM und Zivilgesellschaft
Kampagne 2.0 berichtet über NPOs, welche die Fußballeuropameisterschafft 2008 aufgreifen. Hier möchte ich die Organisation streetfootballworld (www.streetfootballworld.org) von Ashoka-Fellow Jürgen Griesbeck ergänzen. Diese greift das Thema nicht nur auf, sondern benutz den Fußball ganz gezielt um sozialen Wandel in den Bereichen Bildung, Umweltschutz, Gesundheit, Integration… voranzubringen.

Engagement 2.0
Andrea Nienhaus berichtet über eine kleine Diskussionsrunde auf der neben Helpedia auch elargio, betterplace, netzwirken und reset vertreten waren.

Fragwürdige Unterlassungserklärungen gegen Spendenrat-Mitglieder
Der Organisation Deutsche Kinderhilfe, welche laut Welt in “dubiose Machenschaften” verstrickt ist, droht auf der nächsten Mitgliederversammlung des Deutschen Spendenrat der Ausschluss aufgrund von Unregelmäßigkeiten. Anstatt sich zu bemühen Klarheit in die umstrittenen Punkte zu bringen, schien es die Deutsche Kinderhilfe jedoch für sinnvoller zu halten, allen anderen Mitgliedern, des um Transparenz bemühten Deutschen Spendenrat, in einem Rundschreiben mit einer Unterlassungserklärung zu drohen. Dagegen war ja UNICEFs Verhalten während des “Spendenskandals” ja geradezu preisverdächtig…

Wisdom of crowd: Bottom up measuring of development results (englisch)
Christian Kreutz sieht Möglichkeiten, dass das Web 2.0 in absehbarer Zeit auch in der Entwicklungszusammenarbeit Einzug halten wird. Das Feedback der eigentlichen Nutznießer könnte zu einer deutlichen größeren Transparenz führen. Kurzfristig dürfte eine derartige Initiativen meiner Meinung nach Widerstände sowohl auf Seiten der Empfänger-, als auch der Geberländer hervorrufen. Mittel- bis langfristig sollte sich diese äußerst wünschenswerte Entwicklung, aufgrund der auch in Entwicklungsländern ständig steigenden Verbreitung des Internets, aber durchsetzen.


Causes raised $2.5 million in first year of operation
(englisch)
Allan Benamer berichtet über die Ergebnisse von Project Agape bzw. deren, insbesondere durch Facebook bekannt gewordenen, Applikation Causes. In den Kommentaren des entsprechenden Techcrunch-Artikels kann man verschiedene Stimmen finden, die sich von den 2,5 Millionen US$ nicht sonderlich beeindruckt zeigen. Auf der anderen Seite darf man auch nicht unterschätzen wie viel zusätzliche Aufmerksamkeit Causes auf diverse gemeinnützige Organisationen gelenkt hat.

Share the wealth… (englisch)
Lucy Bernholz berichtet darüber, warum Sie bzw. Ihre Beratungsfirma darauf besteht, alle Analysen oder Evaluierungen die Sie im Auftrag von Stiftungen durchführt, auch öffentlich zugänglich zu machen. Wie schaut es diesbezüglich eigentlich hierzulande aus… ?

Good vs. Better (englisch)
Eli von GiveWell argumentiert, dass es nicht reicht Evaluationen im gemeinnützigen Sektor nur darauf zu reduzieren, die schwarzen Schafe ausfindig zumachen, sondern auch versucht die guten von den sehr guten Organisationen zu unterscheiden. Tja ja, ich wünschte eine solche Diskussion würde es auch in Deutschland geben…

Prioritizing solutions for the world’s challenges (englisch)
Frank Rijsberman von google.org (dem gemeinnützigen Arm von Google) berichtet über den Copenhagen Consensus. Eine vom äußerst umstrittenen Wissenschaftlers Bjørn Lomborg initiierte Veranstaltung, auf der in illustrer Runde (etliche Nobelpreisträger) die Frage diskutiert wird, was der effizienteste Weg ist die “Welt zu retten”. Auch wenn die Tagung von vielen Seiten kritisiert wird, so komme ich doch nicht umhin zugeben zu müssen, dass mir zumindest der Ansatz sehr gut gefällt.

Was es kosten würde, den US-Automobilbestand durch Elektroautos auszutauschen!
28.5.2008, 17:39 Uhr

Über einen Hacker News-Beitrag bin ich auf diesen äußerst interessanten Artikel von Philip Greenspun gestoßen. Er ergeht sich dort in Zahlenspielen, was es kosten würde alle momentanen Autos in den USA, durch elektronisch angetriebene zu ersetzen, um somit nicht nur einen echten Beitrag gegen die Klimaerwärmung zu leisten, sondern auch die Abhängigkeit von den ölproduzierenden Staaten zu verringern. Sein überraschenden Ergebnis: Es würde gar nichts kosten!

 Tesla-Roadster

Er argumentiert dabei mit den folgenden, auf die USA bezogenen, Zahlen (Quellenangaben in seinem Blog):

  • Täglicher Ölkonsum: 21 Millionen Barrel
  • Preis pro Barrel: 130 US$
  • Tage im Jahr: 365
  • Daraus resultierende, jährliche Kosten: Ca. 1 Billion US$
  • Anteil von Autos am Gesamtölkonsum: 40%
  • Ölkosten durch Autos: 400 Milliarden US$
  • Größe eines Kredites den man bei 5% Verzinsung und jährlichen Zinszahlungen von 400 Milliarden US$ aufnehmen könnte: 8 Billionen US$
  • Anzahl der registrierten Autos in den USA: 250 Millionen
  • Kosten eines Elektroautos (Massenproduktion vorausgesetzt): 20.000 US$
  • Durchschnittlicher Restwert der benzinbetriebenen Autos (für Export nach China… ): 5.000 US$
  • Effektive Kosten für den Umstieg auf ein elektronisches Auto: 15.000 US$
  • Anzahl der Autos die man für die 8 Billionen US$ kaufen könnte: > 500 Millionen, also etwas doppelt soviele wie momentan auf den Straßen sind.

Keine Frage, es handelt sich dabei um eine Milchmädchenrechnung wie Sie im Buche steht. Woher würde der zusätzliche Strom kommen und was würde der kosten? Was bringt es der Umwelt, wenn alle alten Autos nach China gehen? Wer sollte den Kredit aufnehmen und was würde das an den Finanzmärkten auslösen…

So oder so regt das Gedankenspiel doch zum Nachdenken an, was möglich wäre und wird inzwischen selbst auf Techcrunch diskutiert. Obwohl ich alles andere als ein begeisterter Autofahrer bin, kann auch ich mich zusehends für eine elektrisch motorisierte Zukunft erwärmen. Hierbei muss ich allerdings gestehen, weniger an Gefährte zu denken, die man vielleicht mal für 20.000 US$ erwerben kann, sondern eher an den Wagen wie den Tesla Roadster (siehe Bild). Von 0 auf 100 in weniger als 4 Sekunden, kaum lauter als ein Fahrrad und, Ökostrom vorausgesetzt, auch noch CO2 neutral. Schöne neue Welt…

Was Startups laut Paul Graham von Nonprofits lernen können
22.5.2008, 17:56 Uhr

Der us-amerikanische Startup-Guru und großartige Essayist Paul Graham hat während eines Vortrages auf der Startup School 08 eine äußerst interessante Gleichung aufgestellt. Die Kombination seiner beiden Lieblingstipps zum Aufbau eines erfolgreichen Startups ergab Folgendes:

Make something people want
+
Don’t worry too much about money
=
Nonprofit


Und in der Tat hat er die Beobachtung gemacht, dass sich viele erfolgreiche Startups wie gemeinnützige Organisationen verhalten, mit dem Unterschied, dass Sie sich mit ihren Angeboten in der Regel an ein zahlungskräftigeres Publikum richten. Auf der anderen Seite, hätten laut Paul Graham viele gemeinnützige Ideen das Potential für gute Unternehmen. Insofern eigentlich schade, dass er mit seiner Early-Stage-Venture-Capital-Firma Y Combinator nicht auch Nonprofit-Organisationen unterstützt, wie er hier kundgetan hat. In Anbetracht von hochinnovativen und erfolgreichen Organisationen wie z.B. Kiva, meiner Meinung nach die falsche Entscheidung.

<div><a href='http://www.omnisio.com'>Share and annotate your videos</a> with Omnisio!</div> <p>

So oder so ein extrem hörens- und sehenswerter Vortrag. In diesem Zusammenhang übrigens auch ein Lob an die Jungs von Omnisio, die das momentan wohl beste Angebot für die Onlinevisualisierung von foliengestützten Vorträgen haben. Denke das oben eingebettete Video gefällt mir jedenfalls auch aus technischer Sich ausgezeichnet.

Helpedia-News vom 9.-19. Mai 2008
19.5.2008, 18:52 Uhr

Hier das Spannendste, was wir in den letzten Tagen im Internet von und über den gemeinnützigen Sektor gefunden haben (tagesaktuelle Links gibt’s rechts in der Sidebar):

Egotrips ins Elend
Florian Töpfl schreibt im Süddeutsche Zeitung Magazin, dass viele junge Menschen die in Entwicklungsländern als Freiwillige arbeiten in erster Linie sich selbst und ihrer Karriere nützen, nicht aber den Armen. Das mag auf kurze Sich sogar stimmen, doch muss man meiner Meinung nach eine solche Erfahrung in erster Linie als Bildungsinvestition sehen. Wenn der deutsche Etat für Entwicklungszusammenarbeit jemals auf das seit Jahrzehnten versprochene Niveau angehoben werden sollte, woher sollen denn dann die ganzen Experten kommen? Abgesehen davon ist auch nicht zu unterschätzen, was derartige Erlebnisse mit einem jungen Menschen “anrichten” können. Ohne meine “Freiwilligendienste” (Praktika) in Bangladesch und Co., wäre ich nach dem Studium wohl kaum in der Entwicklungszusammenarbeit gelandet und hätte auch Helpedia nicht gegründet (via Alles-was-gerecht-ist).

Wir werden erstmal keine Provisionen zahlen
UNICEF (www.unicef.de) wird vorerst darauf verzichten Fundraiser auf Provisionsbasis zu bezahlen. Ach, wenn sich die Medien doch genauso kritisch auf die Effektivität der Arbeit von UNICEF gestützt hätten, wie auf deren Bezahlungsmodelle… (via Menschenfischer).

Freuen Sie sich über steigende Lebensmittelpreise?
Nein, die Deutsche-Bank schon, wie sie in dieser äußerst geschmacklosen Werbung verkündet. Man muss halt auch mal die Chancen sehen…

Emergency assistance for donors (englisch)
Die Jungs von Give Well schreiben über das Problem vor dem momentan jede steht, die für die Menschen in China oder Myanmar/Burma spenden möchte: Welcher Organisation soll ich mein Geld zukommen lassen? Die Listen, die momentan umgehen beschränken sich in den USA wie in Deutschland auf die üblichen Verdächtigen, wobei man bestenfalls noch versucht die offensichtlich schwarzen Schafe auszusieben, keinesfalls aber aktiv nach den Besten sucht. Quintessenz: “… donors need emeregncy help.”

Poor Children of The World No Longer Will Have To Struggle With Linux
Den so genannten 100 Dollar Laptop gibt’s künftig auch mit Windows und Michael Arrington ist nicht begeistert. Sicherlich auch ein Grund dafür, dass inzwischen diverse leitende Angestellte dem Projekt den Rücken kehren.

Kritik an Kiva!?
17.5.2008, 19:53 Uhr

Nachdem Stephan hier ja schon über Kiva, die Onlineplattform zur Vermittlung von Mikrokrediten, geschrieben hat, sollen hier nun auch noch ein paar Worte von mir folgen. Insbesondere möchte ich auf die Kritik eingehen, die zum einen diesem Spiegel-Artikel zu entnehmen ist, welche ich in ähnlicher Form aber auch schon selbst von diversen Mikrofinanzexperten vernommen habe.

Obwohl es den Eindruck macht, kann über Kiva einer armen Kleinstunternehmerin aus einem Schwellen- oder Entwicklungsland nicht direkt ein Kredit gegeben werden. Was man allerdings mit Hilfe der Kiva-Plattform machen kann, ist Geld an eine Mikrofinanzinstitution weiterzuleiten, die es wiederum an die ausgewählte Person verleiht. Besagte Mikrofinanzinstitution erhält das Geld dabei unentgeltlich, verlangt aber durchaus Zinsen von der Endkundin. Das ist gut und richtig so, liegt es doch in der Natur der Sache, dass die Transaktionskosten von Mikrofinanzinstitutionen verhältnismäßig hoch liegen (wer hier mehr wissen will, kann gerne einen Blick in meine Diplomabreit über Mikrokredit-Zinsen werfen). Dies wird in der Fachwelt auch nicht kritisiert, ganz im Gegenteil. Der eigentliche Vorwurf der ExpertInnen besteht nämlich darin, dass die Mikrofinanzinstitutionen selber keine Zinsen an Kiva zahlen müssen. Durch diese zinslosen Darlehen würden Kivas Partnerorganisationen einen nicht marktkonformen Wettbewerbsvorteil erhaltenen. Dieser könnte wiederum die Vernachlässigung alternativer Finanzierungsquellen, wie z.B. lokaler Spareinlagen, nach sich ziehen und mittelfristig zu einer Abhängigkeit von Kiva führen.

Abgesehen davon, dass es interessant ist, dass diese Vorwürfe u.a. von Vertretern staatlicher Entwicklungszusammenarbeitsinstitutionen kommen, die ja selber in der Regel zumindest stark subventioniert Darlehen vergeben (+ Beratungsgoodies), wurde hier meiner Meinung nach auch ein anderer wichtiger Punkt außer Acht gelassen. Kiva war und ist ein Startup, welches zum Zeitpunkt des Spiegelartikels gerade mal 2 Jahre auf dem Buckel hatte (davon 6 Monate als nebenberufliches “Hobbyprojekt”)! Noch dazu von Menschen gegründet, die einen technischen und keinen entwicklungspolitischen Hintergrund haben. Man verstehe mich nicht falsch, es liegt mir fern eine womöglich schädliche Institution mit Unwissenheit bzw. mangelnder Fachkenntnis zu entschuldigen. Ich plädiere aber stark dafür, sich mit einer Bewertung etwas mehr Zeit zu lassen. Zu erwarten, dass Kiva knapp 2 Jahre nach Gründung bereits alles richtig macht, erscheint mir geradezu naiv. Außerdem lässt sich der Vorwurf der zinslosen Darlehen an Mikrofinanzinstitutionen zumindest abschwächen, indem man die zusätzlichen Transaktionskosten beachtet, welche durch eine Partnerschaft mit Kiva entstehen. Von jeder Kreditnehmerin ein eigenes Onlineprofil zu erstellen ist im Verhältnis zu Kreditsummen von teilweise kaum 100 US$ durchaus ein Kostenfaktor (die Kreditsachbearbeiter arbeiten durchaus nicht ehrenamtlich).

Inzwischen wurden die oben aufgeführten Risiken auch von Kiva erkannt und so kann eine Mikrofinanzinstitution maximal 30% ihres Kreditportfolios durch Darlehen von Kiva decken. Somit wird zumindest einer kompletten Abhängig von Kivas Geldmitteln ein Riegel vorgeschoben. Zusätzlich schließt Kiva für die Zukunft nicht aus die Kredite nicht mehr völlig kostenfrei weiterzugeben. Damit könnten nicht nur die oben beschriebenen Marktverzerrungen vermieden werden, sondern es würde auch eine nachhaltige Finanzierung von Kiva selbst ermöglicht (wie man das marketingtechnisch über die Bühne bringen will steht auf einem anderen Blatt).

Wer jetzt noch am Engagement, Innovationskraft und Lernbereitschaft von Kiva zweifelt, dem sei dringend das oben eingebettete Video mit Kivas Präsidenten Premal Shah empfohlen (leider nur auf Englisch). Denke von dem kann sich der/die ein oder andere Aktive im gemeinnützigen Sektor noch ne Scheibe abschneiden (der Schreibende eingeschlossen).

Erfolgmessung bei Hilfsorganisationen!?
15.5.2008, 13:56 Uhr

Mädchen mit HerzNachdem ich mich ja schon mal kritisch mit der Erfolgsmessung internetbasierter NGOs am Beispiel von diegesellschafter.de auseinandergesetzt habe, will ich das Thema noch mal etwas grundlegender angehen. Auch bei “klassischen” gemeinnützigen Organisationen findet meines Wissens nach nämlich so gut wie nie eine kritische, unabhängige Überprüfung statt, ob die eingesetzten Mittel wirklich auf die effizienteste Art und Weise zur Erreichung der übergeordneten Ziele eingesetzt wurden.


Um Missverständnisse zu vermeiden sei gesagt, dass das Kriterium, um welches es mir hier geht, ganz einfach darin besteht, wie viel “Gutes” die Organisation pro Taler schafft. Es geht also beispielsweise nicht darum, ob sich die Gehaltsstruktur der Organisation am öffentlichen Dienst orientiert (eines der Prüfkriterien des DZI). Keine Frage, das ist zu einem gewissen Grad immer subjektiv, liegt der einen doch die Entwicklungszusammenarbeit im Kongo, dem anderen der Tierschutz im Saarland mehr am Herzen. Sobald man jedoch hinreichend eingegrenzt hat, wofür man sich engagieren möchte, macht es doch durchaus Sinn sich zu fragen, welche Organisation mit zusätzlichen Mitteln effektivere Hilfe leisten könnte.


Dass die Unterschiede hier teilweise enorm sind, ist mir spätestens während meiner Zeit in der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit aufgefallen, bei der es in Deutschland – soviel ich weiß – übrigens auch keine unabhängige Erfolgskontrolle gibt. Dort war ich an der Evaluierung verschiedener Mikrofinanzprojekte beteiligt und musste feststellen, dass einige Institutionen trotz (fast) identischer Umstände mit ihren Angeboten ein Vielfaches an Menschen erreichten. Der Grund dafür bestand nicht darin, dass der erfolgreicheren Organisation mehr Geld zur Verfügung stand, sondern dass sie die bessere Strategie, die besseren Produkte und tendenziell außerdem noch die besseren Mitarbeiter hatte. Dies sollte eigentlich nicht verwundern, sind uns allen doch wahrscheinlich Unternehmen bekannt, die sich in der Qualität deutlich von ihren Mitbewerbern unterscheiden. Natürlich ist das bei Hilfsorganisationen nicht anders. Zu einem Problem kommt es aber, wenn die Finanzierung der jeweiligen Institution von der Erfüllung der Kundenbedürfnisse weitgehend unabhängig ist. Und ich fürchte, dass dies im sozialen Bereich leider noch allzu oft geschieht.

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