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Archiv für Juni 2008

Kiva vs. MicoPlace vs. MyC4
30.6.2008, 11:41 Uhr

Nachdem Steve ja bereits über Kiva berichtet hat und ich hier auf mögliche Kritikpunkt eingegangen bin, will ich besagte Mikrokredit-Plattform nun noch mal im Rahmen zweier ähnlicher Angebote präsentieren.

Das wichtigste zur ältesten und mit Abstand bekanntesten Internetplattform für die Abwicklung von Mikrokrediten wurde ja bereits in den beiden oben genannten Artikeln zusammengefasst. Daher sei hier nur noch mal gesagt, dass es sich bei Kiva um eine gemeinnützige Organisation handelt, über deren Plattform man sich in 25 US$ - Paketen an der Vergabe von Kleinstkrediten an ausgewählte Einzelpersonen in Entwicklungsländern beteiligen kann. Zinsen erhält man dafür nicht, sondern wird im Gegenteil noch zu einer Spende an Kiva selbst animiert, damit diese nachhaltig arbeiten kann. Kiva leitet das Geld dann kostenfrei an entsprechende Partnerorganisationen in dem jeweiligen Land weiter, welche dann letztendlich Kredite an die ausgewählten KleinstunternehmerInnen vergibt. Dies geschieht jedoch keinesfalls umsonst, denn der Organisation entstehen ja nach wie vor Kosten, die durch Kiva nicht kleiner geworden sind (z.B. durch die Erstellung von Onlineprofilen der KreditnehmerInnen). Für die Zukunft ist laut Kiva auch geplant, den Kreditgebern zu ermöglichen, Zinsen zu verlangen. Aber wann und unter welchen Umständen dies passieren wird, ist noch nicht klar. Unstrittig allerdings ist Kivas Erfolg bei der Erschließung neuer, sozialer Investoren. Laut Website werden über die Plattform inzwischen mehr als 2,5 Mio. US$ pro Monat vermittelt.

Nachdem Wirtschaftsstudentin Tracey Pettengill Turner erstmalig vom Konzept der Mikrofinanzierung gehört hatte, war sie schnell begeistert. Um sich jedoch selbst ein Bild zu machen, ob und wie das in der Praxis funktioniert, beschloss sie, der Grameen Bank in Bangladesch einen Besuch abzustatten. Nachdem sie sich dort zusätzliche Inspiration geholt hatte (ein solcher Aufenthalt hat ja auch schon andere auf dumme Gedanken gebracht… -> siehe “Von der Grameen Bank zu Helpedia“), kam ihr die Idee, auch “einfachen Leuten” aus den USA die Möglichkeit zu geben, in diese gute Sache zu investieren. Dies war dann die Geburtsstunde von MicroPlace. Durch Kontakte zu eBay, dessen Gründer ja bekannt sind für ihre Unterstützung von Social Entrepreurs, wurde MicroPlace dann im Sommer 2006 zu einer “eBay Company”. Im Gegensatz zu Kiva ist MicroPlace keine gemeinnützige Organisation, aber man hat glaubhaft versichert, dass eventuelle Gewinne nicht an die eBay-Aktionäre, sondern an andere soziale Initiativen fließen würden (im Zweifelsfall die eBay Stiftung). Soweit zum Hintergrund. Für die normale Nutzerin besteht der Hauptunterschied zu Kiva darin, dass man bei Microplace keinen Einzelpersonen, sondern Mikrofinanzinstitutionen Geld leihen kann. Über die auf soziale Investments spezialisierte Calvert Foundation bzw. Oikokredit werden die Einlagen der ausgewählten Organisation zur Verfügung gestellt. Neben zahlreichen Entwicklungsländern kann man über MicroPlace seit neustem auch Projekte in den USA unterstützen. Ein weiterer Unterschied zu Kiva ist, dass man Zinsen auf seine Einlagen erhält, wobei diese momentan noch bei bescheidenen 1,25% - 3% liegen.

Den wohl kreativsten Ansatz fährt das im Mai 2006 vom dänischen Geschäftsmann Mads Kjær gegründete Unternehmen MyC4. Einerseits kann man sich hier wie bei Kiva direkt einzelne KleinstunternehmerInnen aussuchen, die man mit Hilfe einer Mikrofinanzinstitution unterstützen möchte. Andererseits erhält man auf die entsprechenden Investitionen durchaus Zinsen. Diese werden jedoch nicht einfach festgelegt, sondern durch eine Art Auktionsverfahren ermittelt, wobei die maximale Verzinsung bei 25% liegt. Für die KreditnehmerIn kommen da dann allerdings noch mal diverse Aufschläge von MyC4 sowie den an der Kreditvergabe beteiligten Institutionen dazu. Seit Beginn der Unternehmung wurden laut Website schon über 2,2 Mio. € an knapp 1.500 Kleinstunternehmen vermittelt, wobei die durchschnittlichen, von den Nutzern (Kreditgebern) verlangten Zinsen bei 12% lagen. Im Unterschied zu Kiva kam die Anschubfinanzierung des Projektes übrigens nicht aus dem Technologieumfeld, sondern zum einen von dem Maschinenbauunternehmen Kjær Group bzw. dessen Geschäftsführer und zum anderen und DANIDA, einer dänischen Institution des staatlichen Entwicklungszusammenarbeit.

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Helpedia-News vom 01.-17. Juni 2008
17.6.2008, 16:10 Uhr

Hier wie immer das Spannendste, was wir in den letzten Tagen im Internet von und über den gemeinnützigen Sektor gefunden haben (tagesaktuelle Links gibt’s rechts in der Sidebar):

Teilnehmerstimmen von KarmaKonsum 2008
Christoph Harrach berichtet über die Stimmung auf der KarmaKonsum 2008 und dem daran angeschlossenen Greencamp. Im Nachhinein schade, dass ich nicht dabei war, aber man kann halt nicht alles mitnehmen…

Unternehmen fördern ehrenamtliche Tätigkeit
Betterplace berichtet über die Vorteile, die Unternehmen davon haben, wenn sie ihre MitarbeiterInnen bei ehrenamtlichem Engagement unterstützen (sogenanntes Corporate Volunteering). Definitiv ein spannendes Thema über welches auch wir von Helpedia uns Gedanken machen. Wer mehr wissen will, dem sei der oben verlinkte Blogbeitrag, oder aber ein Blick über den großen Teich empfohlen. Eines unserer Vorbilder aus den USA (VolunteerMatch), präsentiert auf dieser Seite einige recht interessante Angebote. Die Zusammenfassung einer sehr interessanten Studie von Deloitte und Touche findet sich hier.

One click giving infrastructure (englisch)
Lucy Bernholz listet einige der bekanntesten Onlinespendenplattformen aus den USA auf und sieht die Notwendigkeit für eine Meta-Seite, auf der man alle Lösungen aus einer Hand bekommt. Dadurch könnte nicht nur die Zusammenarbeit untereinander verbessert werden, sondern auch die Bekanntheit der Projekte insgesamt erhöht werden. Mir scheint, die Argumentation könnte man auch auf andere Länder übertragen…

Disney Acquires IdealBite For $15 Million (englisch)
Nachdem Discovery Communications im letzten Jahr die Ökonewsseite/-blog Treehugger für 10 Mio. US$ übernahm, hat nun auch Disney begonnen in diesem Bereich auf Einkaufstour zu gehen und sich die Öko-Tipps Seite Idealbite für 15 Mio. US$ einverleibt (andere Quellen gehen sogar von 20 Mio US$ aus). Utopia und Co. dürfte diese Nachricht sicherlich neuen Mut gegeben haben…

Net Grants (englisch)
Sean Stannard-Stockton berichtet über das Prinzip des Net Grants, welches ich mal ganz frei mit Netto-Förderung übersetze. Was man sich darunter vorstellen kann, wird durch folgendes Beispiel klar: Eine Stiftung vergibt eine Förderung in Höhe von 100.000 €, auf die sich gemeinnützige Initiativen bewerben können. Wenn sich jetzt 100 Organisationen bewerben und jede Organisation für die Bewerbung 1.000€ investiert (wenn man Personalkosten hinzurechnet nicht unrealisitisch), dann ist die ganze Angelegenheit ein Nullsummenspiel bzw. eine absurd anmutende Umverteilung. Auch wenn das ein Extrembeispiel sein mag, so macht es doch definitiv Sinn, derartige Überlegung bei der Vergabe von Fördergeldern im Hinterkopf zu behalten.

TechCrunch, Berlin08 und Socialcamp
16.6.2008, 18:30 Uhr

Ich muss gestehen, den Blog in der letzten Woche etwas vernachlässigt zu haben, aber ich bin in den letzten Tagen einfach auf zu vielen Veranstaltungen rumgesprungen.

Angefangen hat es mit dem TechCrunch / CrunchGear Berlin Meetup am letzten Mittwoch, zu dem mich Nicholas von Twidox dankenswerter Weise eingeladen hat. Konnte dort nicht nur die beneidenswerten Büroräume von Imedo bewundern, sondern auch eine Menge sehr interessanter Leute aus der deutschen Startupszene kennen lernen. Als nächstes gilt es nun, die entsprechenden VCs, Business Angel etc. davon zu überzeugen, künftig mehr auf die soziale Rendite zu schauen… ;-) Mehr Infos findet Ihr auf dem entsprechenden Blogbeitrag von TechCrunch UK. Ein Foto von mir gibt’s hier (2. Von rechts).

Weiter ging es dann am Freitag, wo ich im Rahmen von Berlin08 an einer Podiumsdiskussion mit dem Namen „Web 2.0 – vom Mitmach-Web zur Mitmach-Gesellschaft” teilgenommen habe. Da das ursprünglich für die Veranstaltung vorgesehene Zelt nicht zur Verfügung stand, wurde versucht in einem vom Chaos Computer Club okkupierten Gebäude Zuflucht zu suchen. Als diese jedoch mitbekamen, dass besagte Diskussionsrunde vom SchülerVZ organisiert wurde, war plötzlich doch kein Platz mehr, und es musste ein weiteres Mal umgezogen werden. Insofern begann das “Spektakel” mit 1 ½ Stunden Verspätung in einem kleinen, mit allerlei Raumfahrtmodellen ausgestatteten Zimmer. Von den angekündigten 250 ZuhörerInnen waren dann auch nur noch ca. 25 übrig. So oder so fand ich‘s eine spannende Sache auf diese Weise mit ein paar SchülerInnen ins Gespräch zu kommen und auch die anderen Panel-Teilnehmer kennen zu lernen. Neben Oliver Skopec vom SchülerVZ, waren da noch Kerstin Kröning von Zoomer.de und Julia Balanowski von der Deutschen Jugendpresse (www.jugendpresse.de). Als Moderator konnte Denyo von der Band Beginner gewonnen werden, was mich persönlich ganz besonders gefreut hat (meiner Meinung nach haben die Jungs mit Bambule das beste Deutsche HipHop-Album aller Zeiten rausgebracht - sorry, konnte ich mir nicht verkneifen).

Der für mich krönende Abschluss der Woche war aber zweifelsfrei das Socialcamp. Nachdem es hier im Blog vor gut 3 Monaten das erste Mal angekündigt wurde, ist es nun Realität geworden. An dieser Stelle noch mal 1.000 Dank an alle TeilnehmerInnen, HelferInnen, Medienpartner, Förderer und Sponsoren. Meine persönlichen Eindrücke, Learnings… wird’s demnächst noch mal in einem gesonderten Beitrag geben. Bis dahin empfehle ich diese kleine Presseschau sowie die heutige (Print-) Ausgabe der taz (zumindest in Berlin wird das Socialcamp sogar auf der Titelseite erwähnt).

Give Well – Neue Ansätze bei der Evaluierung von gemeinnützigen Organisationen
4.6.2008, 17:10 Uhr

Give WellWie hier ja bereits angekündigt, will ich anhand eines konkreten Beispiels nochmals auf das Thema der Evaluierung von gemeinnützigen Organisationen eingehen. Es handelt sich dabei meiner Meinung nach um ein ebenso wichtiges wie komplexes Feld, insbesondere wenn man sich nicht auf strittige Evaluierungskriterien wie die Höhe der Verwaltungskosten oder der Vergütungsmodelle der Mitarbeiter beschränkt. Sobald man sich an die wirklichen spannenden Fragen tastet, nämlich wo man mit seiner Spende am meisten Gutes bewirken kann, wird die Angelegenheit sehr, sehr schnell fast unüberschaubar komplex.

Dies war jedoch für Holden Karnofsky und Elie Hassenfeld kein Grund sich der Herausforderung zu entziehen. Die beiden haben letztes Jahr ihre gut bezahlten Hedgefond-Jobs aufgegeben bzw. im Fall von Elie ruhen lassen, um sich dem Aufbau der gemeinnützigen Organisation Give Well zu widmen. Ursprung für die Gründung war laut dieses New York Times Artikels, der vergebliche Versuch der beiden, sinnvolle Empfehlungen bezüglich spendenwürdiger Organisationen zu finden. Natürlich gibt es auch in den USA seit langem Institutionen die sich, wie beispielsweise Charity Navigator, der Evaluierung gemeinnütziger Organisationen verschrieben haben. Ähnlich wie in Deutschland beschränken sich diese jedoch auf leicht messbare, dafür aber in der Regel wenig aussagekräftige Kennzahlen (siehe oben).

Schnell erkannten die beiden, dass man hier nebenberuflich nicht weiterkommen würde und begannen daher ein Konzept zu entwerfen und ihn ihrem Bekanntenkreis Geld für das Unterfangen zu sammeln. 300.000 US$ später (ich wünschte ich hätte mehr Freunde in der Hedgefund-Szene… ) war Give Well geboren und man machte sich an die eigentliche Arbeit. Ziel war und ist es, die besten Organisationen zu finden und nicht bloß solche, die es gut meinen und halbwegs seriös arbeiten. Hierzu wird eine große Zahl von NGOs unter Zuhilfenahme wissenschaftlicher Untersuchungen analysiert, wobei sich das konkrete Vorgehen von Give Well ganz grob in 5 Schritten unterteilen lässt:

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