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Archiv für Mai 2008

Helpedia-News vom 20.-31. Mai 2008
31.5.2008, 14:57 Uhr

Hier wie immer das Spannendste, was wir in den letzten Tagen im Internet von und über den gemeinnützigen Sektor gefunden haben (tagesaktuelle Links gibt’s rechts in der Sidebar):

Fussball EM und Zivilgesellschaft
Kampagne 2.0 berichtet über NPOs, welche die Fußballeuropameisterschafft 2008 aufgreifen. Hier möchte ich die Organisation streetfootballworld (www.streetfootballworld.org) von Ashoka-Fellow Jürgen Griesbeck ergänzen. Diese greift das Thema nicht nur auf, sondern benutz den Fußball ganz gezielt um sozialen Wandel in den Bereichen Bildung, Umweltschutz, Gesundheit, Integration… voranzubringen.

Engagement 2.0
Andrea Nienhaus berichtet über eine kleine Diskussionsrunde auf der neben Helpedia auch elargio, betterplace, netzwirken und reset vertreten waren.

Fragwürdige Unterlassungserklärungen gegen Spendenrat-Mitglieder
Der Organisation Deutsche Kinderhilfe, welche laut Welt in “dubiose Machenschaften” verstrickt ist, droht auf der nächsten Mitgliederversammlung des Deutschen Spendenrat der Ausschluss aufgrund von Unregelmäßigkeiten. Anstatt sich zu bemühen Klarheit in die umstrittenen Punkte zu bringen, schien es die Deutsche Kinderhilfe jedoch für sinnvoller zu halten, allen anderen Mitgliedern, des um Transparenz bemühten Deutschen Spendenrat, in einem Rundschreiben mit einer Unterlassungserklärung zu drohen. Dagegen war ja UNICEFs Verhalten während des “Spendenskandals” ja geradezu preisverdächtig…

Wisdom of crowd: Bottom up measuring of development results (englisch)
Christian Kreutz sieht Möglichkeiten, dass das Web 2.0 in absehbarer Zeit auch in der Entwicklungszusammenarbeit Einzug halten wird. Das Feedback der eigentlichen Nutznießer könnte zu einer deutlichen größeren Transparenz führen. Kurzfristig dürfte eine derartige Initiativen meiner Meinung nach Widerstände sowohl auf Seiten der Empfänger-, als auch der Geberländer hervorrufen. Mittel- bis langfristig sollte sich diese äußerst wünschenswerte Entwicklung, aufgrund der auch in Entwicklungsländern ständig steigenden Verbreitung des Internets, aber durchsetzen.


Causes raised $2.5 million in first year of operation
(englisch)
Allan Benamer berichtet über die Ergebnisse von Project Agape bzw. deren, insbesondere durch Facebook bekannt gewordenen, Applikation Causes. In den Kommentaren des entsprechenden Techcrunch-Artikels kann man verschiedene Stimmen finden, die sich von den 2,5 Millionen US$ nicht sonderlich beeindruckt zeigen. Auf der anderen Seite darf man auch nicht unterschätzen wie viel zusätzliche Aufmerksamkeit Causes auf diverse gemeinnützige Organisationen gelenkt hat.

Share the wealth… (englisch)
Lucy Bernholz berichtet darüber, warum Sie bzw. Ihre Beratungsfirma darauf besteht, alle Analysen oder Evaluierungen die Sie im Auftrag von Stiftungen durchführt, auch öffentlich zugänglich zu machen. Wie schaut es diesbezüglich eigentlich hierzulande aus… ?

Good vs. Better (englisch)
Eli von GiveWell argumentiert, dass es nicht reicht Evaluationen im gemeinnützigen Sektor nur darauf zu reduzieren, die schwarzen Schafe ausfindig zumachen, sondern auch versucht die guten von den sehr guten Organisationen zu unterscheiden. Tja ja, ich wünschte eine solche Diskussion würde es auch in Deutschland geben…

Prioritizing solutions for the world’s challenges (englisch)
Frank Rijsberman von google.org (dem gemeinnützigen Arm von Google) berichtet über den Copenhagen Consensus. Eine vom äußerst umstrittenen Wissenschaftlers Bjørn Lomborg initiierte Veranstaltung, auf der in illustrer Runde (etliche Nobelpreisträger) die Frage diskutiert wird, was der effizienteste Weg ist die “Welt zu retten”. Auch wenn die Tagung von vielen Seiten kritisiert wird, so komme ich doch nicht umhin zugeben zu müssen, dass mir zumindest der Ansatz sehr gut gefällt.

Was es kosten würde, den US-Automobilbestand durch Elektroautos auszutauschen!
28.5.2008, 17:39 Uhr

Über einen Hacker News-Beitrag bin ich auf diesen äußerst interessanten Artikel von Philip Greenspun gestoßen. Er ergeht sich dort in Zahlenspielen, was es kosten würde alle momentanen Autos in den USA, durch elektronisch angetriebene zu ersetzen, um somit nicht nur einen echten Beitrag gegen die Klimaerwärmung zu leisten, sondern auch die Abhängigkeit von den ölproduzierenden Staaten zu verringern. Sein überraschenden Ergebnis: Es würde gar nichts kosten!

 Tesla-Roadster

Er argumentiert dabei mit den folgenden, auf die USA bezogenen, Zahlen (Quellenangaben in seinem Blog):

  • Täglicher Ölkonsum: 21 Millionen Barrel
  • Preis pro Barrel: 130 US$
  • Tage im Jahr: 365
  • Daraus resultierende, jährliche Kosten: Ca. 1 Billion US$
  • Anteil von Autos am Gesamtölkonsum: 40%
  • Ölkosten durch Autos: 400 Milliarden US$
  • Größe eines Kredites den man bei 5% Verzinsung und jährlichen Zinszahlungen von 400 Milliarden US$ aufnehmen könnte: 8 Billionen US$
  • Anzahl der registrierten Autos in den USA: 250 Millionen
  • Kosten eines Elektroautos (Massenproduktion vorausgesetzt): 20.000 US$
  • Durchschnittlicher Restwert der benzinbetriebenen Autos (für Export nach China… ): 5.000 US$
  • Effektive Kosten für den Umstieg auf ein elektronisches Auto: 15.000 US$
  • Anzahl der Autos die man für die 8 Billionen US$ kaufen könnte: > 500 Millionen, also etwas doppelt soviele wie momentan auf den Straßen sind.

Keine Frage, es handelt sich dabei um eine Milchmädchenrechnung wie Sie im Buche steht. Woher würde der zusätzliche Strom kommen und was würde der kosten? Was bringt es der Umwelt, wenn alle alten Autos nach China gehen? Wer sollte den Kredit aufnehmen und was würde das an den Finanzmärkten auslösen…

So oder so regt das Gedankenspiel doch zum Nachdenken an, was möglich wäre und wird inzwischen selbst auf Techcrunch diskutiert. Obwohl ich alles andere als ein begeisterter Autofahrer bin, kann auch ich mich zusehends für eine elektrisch motorisierte Zukunft erwärmen. Hierbei muss ich allerdings gestehen, weniger an Gefährte zu denken, die man vielleicht mal für 20.000 US$ erwerben kann, sondern eher an den Wagen wie den Tesla Roadster (siehe Bild). Von 0 auf 100 in weniger als 4 Sekunden, kaum lauter als ein Fahrrad und, Ökostrom vorausgesetzt, auch noch CO2 neutral. Schöne neue Welt…

Was Startups laut Paul Graham von Nonprofits lernen können
22.5.2008, 17:56 Uhr

Der us-amerikanische Startup-Guru und großartige Essayist Paul Graham hat während eines Vortrages auf der Startup School 08 eine äußerst interessante Gleichung aufgestellt. Die Kombination seiner beiden Lieblingstipps zum Aufbau eines erfolgreichen Startups ergab Folgendes:

Make something people want
+
Don’t worry too much about money
=
Nonprofit


Und in der Tat hat er die Beobachtung gemacht, dass sich viele erfolgreiche Startups wie gemeinnützige Organisationen verhalten, mit dem Unterschied, dass Sie sich mit ihren Angeboten in der Regel an ein zahlungskräftigeres Publikum richten. Auf der anderen Seite, hätten laut Paul Graham viele gemeinnützige Ideen das Potential für gute Unternehmen. Insofern eigentlich schade, dass er mit seiner Early-Stage-Venture-Capital-Firma Y Combinator nicht auch Nonprofit-Organisationen unterstützt, wie er hier kundgetan hat. In Anbetracht von hochinnovativen und erfolgreichen Organisationen wie z.B. Kiva, meiner Meinung nach die falsche Entscheidung.

<div><a href='http://www.omnisio.com'>Share and annotate your videos</a> with Omnisio!</div> <p>

So oder so ein extrem hörens- und sehenswerter Vortrag. In diesem Zusammenhang übrigens auch ein Lob an die Jungs von Omnisio, die das momentan wohl beste Angebot für die Onlinevisualisierung von foliengestützten Vorträgen haben. Denke das oben eingebettete Video gefällt mir jedenfalls auch aus technischer Sich ausgezeichnet.

Helpedia-News vom 9.-19. Mai 2008
19.5.2008, 18:52 Uhr

Hier das Spannendste, was wir in den letzten Tagen im Internet von und über den gemeinnützigen Sektor gefunden haben (tagesaktuelle Links gibt’s rechts in der Sidebar):

Egotrips ins Elend
Florian Töpfl schreibt im Süddeutsche Zeitung Magazin, dass viele junge Menschen die in Entwicklungsländern als Freiwillige arbeiten in erster Linie sich selbst und ihrer Karriere nützen, nicht aber den Armen. Das mag auf kurze Sich sogar stimmen, doch muss man meiner Meinung nach eine solche Erfahrung in erster Linie als Bildungsinvestition sehen. Wenn der deutsche Etat für Entwicklungszusammenarbeit jemals auf das seit Jahrzehnten versprochene Niveau angehoben werden sollte, woher sollen denn dann die ganzen Experten kommen? Abgesehen davon ist auch nicht zu unterschätzen, was derartige Erlebnisse mit einem jungen Menschen “anrichten” können. Ohne meine “Freiwilligendienste” (Praktika) in Bangladesch und Co., wäre ich nach dem Studium wohl kaum in der Entwicklungszusammenarbeit gelandet und hätte auch Helpedia nicht gegründet (via Alles-was-gerecht-ist).

Wir werden erstmal keine Provisionen zahlen
UNICEF (www.unicef.de) wird vorerst darauf verzichten Fundraiser auf Provisionsbasis zu bezahlen. Ach, wenn sich die Medien doch genauso kritisch auf die Effektivität der Arbeit von UNICEF gestützt hätten, wie auf deren Bezahlungsmodelle… (via Menschenfischer).

Freuen Sie sich über steigende Lebensmittelpreise?
Nein, die Deutsche-Bank schon, wie sie in dieser äußerst geschmacklosen Werbung verkündet. Man muss halt auch mal die Chancen sehen…

Emergency assistance for donors (englisch)
Die Jungs von Give Well schreiben über das Problem vor dem momentan jede steht, die für die Menschen in China oder Myanmar/Burma spenden möchte: Welcher Organisation soll ich mein Geld zukommen lassen? Die Listen, die momentan umgehen beschränken sich in den USA wie in Deutschland auf die üblichen Verdächtigen, wobei man bestenfalls noch versucht die offensichtlich schwarzen Schafe auszusieben, keinesfalls aber aktiv nach den Besten sucht. Quintessenz: “… donors need emeregncy help.”

Poor Children of The World No Longer Will Have To Struggle With Linux
Den so genannten 100 Dollar Laptop gibt’s künftig auch mit Windows und Michael Arrington ist nicht begeistert. Sicherlich auch ein Grund dafür, dass inzwischen diverse leitende Angestellte dem Projekt den Rücken kehren.

Kritik an Kiva!?
17.5.2008, 19:53 Uhr

Nachdem Stephan hier ja schon über Kiva, die Onlineplattform zur Vermittlung von Mikrokrediten, geschrieben hat, sollen hier nun auch noch ein paar Worte von mir folgen. Insbesondere möchte ich auf die Kritik eingehen, die zum einen diesem Spiegel-Artikel zu entnehmen ist, welche ich in ähnlicher Form aber auch schon selbst von diversen Mikrofinanzexperten vernommen habe.

Obwohl es den Eindruck macht, kann über Kiva einer armen Kleinstunternehmerin aus einem Schwellen- oder Entwicklungsland nicht direkt ein Kredit gegeben werden. Was man allerdings mit Hilfe der Kiva-Plattform machen kann, ist Geld an eine Mikrofinanzinstitution weiterzuleiten, die es wiederum an die ausgewählte Person verleiht. Besagte Mikrofinanzinstitution erhält das Geld dabei unentgeltlich, verlangt aber durchaus Zinsen von der Endkundin. Das ist gut und richtig so, liegt es doch in der Natur der Sache, dass die Transaktionskosten von Mikrofinanzinstitutionen verhältnismäßig hoch liegen (wer hier mehr wissen will, kann gerne einen Blick in meine Diplomabreit über Mikrokredit-Zinsen werfen). Dies wird in der Fachwelt auch nicht kritisiert, ganz im Gegenteil. Der eigentliche Vorwurf der ExpertInnen besteht nämlich darin, dass die Mikrofinanzinstitutionen selber keine Zinsen an Kiva zahlen müssen. Durch diese zinslosen Darlehen würden Kivas Partnerorganisationen einen nicht marktkonformen Wettbewerbsvorteil erhaltenen. Dieser könnte wiederum die Vernachlässigung alternativer Finanzierungsquellen, wie z.B. lokaler Spareinlagen, nach sich ziehen und mittelfristig zu einer Abhängigkeit von Kiva führen.

Abgesehen davon, dass es interessant ist, dass diese Vorwürfe u.a. von Vertretern staatlicher Entwicklungszusammenarbeitsinstitutionen kommen, die ja selber in der Regel zumindest stark subventioniert Darlehen vergeben (+ Beratungsgoodies), wurde hier meiner Meinung nach auch ein anderer wichtiger Punkt außer Acht gelassen. Kiva war und ist ein Startup, welches zum Zeitpunkt des Spiegelartikels gerade mal 2 Jahre auf dem Buckel hatte (davon 6 Monate als nebenberufliches “Hobbyprojekt”)! Noch dazu von Menschen gegründet, die einen technischen und keinen entwicklungspolitischen Hintergrund haben. Man verstehe mich nicht falsch, es liegt mir fern eine womöglich schädliche Institution mit Unwissenheit bzw. mangelnder Fachkenntnis zu entschuldigen. Ich plädiere aber stark dafür, sich mit einer Bewertung etwas mehr Zeit zu lassen. Zu erwarten, dass Kiva knapp 2 Jahre nach Gründung bereits alles richtig macht, erscheint mir geradezu naiv. Außerdem lässt sich der Vorwurf der zinslosen Darlehen an Mikrofinanzinstitutionen zumindest abschwächen, indem man die zusätzlichen Transaktionskosten beachtet, welche durch eine Partnerschaft mit Kiva entstehen. Von jeder Kreditnehmerin ein eigenes Onlineprofil zu erstellen ist im Verhältnis zu Kreditsummen von teilweise kaum 100 US$ durchaus ein Kostenfaktor (die Kreditsachbearbeiter arbeiten durchaus nicht ehrenamtlich).

Inzwischen wurden die oben aufgeführten Risiken auch von Kiva erkannt und so kann eine Mikrofinanzinstitution maximal 30% ihres Kreditportfolios durch Darlehen von Kiva decken. Somit wird zumindest einer kompletten Abhängig von Kivas Geldmitteln ein Riegel vorgeschoben. Zusätzlich schließt Kiva für die Zukunft nicht aus die Kredite nicht mehr völlig kostenfrei weiterzugeben. Damit könnten nicht nur die oben beschriebenen Marktverzerrungen vermieden werden, sondern es würde auch eine nachhaltige Finanzierung von Kiva selbst ermöglicht (wie man das marketingtechnisch über die Bühne bringen will steht auf einem anderen Blatt).

Wer jetzt noch am Engagement, Innovationskraft und Lernbereitschaft von Kiva zweifelt, dem sei dringend das oben eingebettete Video mit Kivas Präsidenten Premal Shah empfohlen (leider nur auf Englisch). Denke von dem kann sich der/die ein oder andere Aktive im gemeinnützigen Sektor noch ne Scheibe abschneiden (der Schreibende eingeschlossen).

Erfolgmessung bei Hilfsorganisationen!?
15.5.2008, 13:56 Uhr

Mädchen mit HerzNachdem ich mich ja schon mal kritisch mit der Erfolgsmessung internetbasierter NGOs am Beispiel von diegesellschafter.de auseinandergesetzt habe, will ich das Thema noch mal etwas grundlegender angehen. Auch bei “klassischen” gemeinnützigen Organisationen findet meines Wissens nach nämlich so gut wie nie eine kritische, unabhängige Überprüfung statt, ob die eingesetzten Mittel wirklich auf die effizienteste Art und Weise zur Erreichung der übergeordneten Ziele eingesetzt wurden.


Um Missverständnisse zu vermeiden sei gesagt, dass das Kriterium, um welches es mir hier geht, ganz einfach darin besteht, wie viel “Gutes” die Organisation pro Taler schafft. Es geht also beispielsweise nicht darum, ob sich die Gehaltsstruktur der Organisation am öffentlichen Dienst orientiert (eines der Prüfkriterien des DZI). Keine Frage, das ist zu einem gewissen Grad immer subjektiv, liegt der einen doch die Entwicklungszusammenarbeit im Kongo, dem anderen der Tierschutz im Saarland mehr am Herzen. Sobald man jedoch hinreichend eingegrenzt hat, wofür man sich engagieren möchte, macht es doch durchaus Sinn sich zu fragen, welche Organisation mit zusätzlichen Mitteln effektivere Hilfe leisten könnte.


Dass die Unterschiede hier teilweise enorm sind, ist mir spätestens während meiner Zeit in der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit aufgefallen, bei der es in Deutschland – soviel ich weiß – übrigens auch keine unabhängige Erfolgskontrolle gibt. Dort war ich an der Evaluierung verschiedener Mikrofinanzprojekte beteiligt und musste feststellen, dass einige Institutionen trotz (fast) identischer Umstände mit ihren Angeboten ein Vielfaches an Menschen erreichten. Der Grund dafür bestand nicht darin, dass der erfolgreicheren Organisation mehr Geld zur Verfügung stand, sondern dass sie die bessere Strategie, die besseren Produkte und tendenziell außerdem noch die besseren Mitarbeiter hatte. Dies sollte eigentlich nicht verwundern, sind uns allen doch wahrscheinlich Unternehmen bekannt, die sich in der Qualität deutlich von ihren Mitbewerbern unterscheiden. Natürlich ist das bei Hilfsorganisationen nicht anders. Zu einem Problem kommt es aber, wenn die Finanzierung der jeweiligen Institution von der Erfüllung der Kundenbedürfnisse weitgehend unabhängig ist. Und ich fürchte, dass dies im sozialen Bereich leider noch allzu oft geschieht.

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Helpedia-News vom 29. April-8. Mai 2008
9.5.2008, 13:48 Uhr

Hier das Spannendste, was wir in den letzten Tagen im Internet von und über den gemeinnützigen Sektor gefunden haben (tagesaktuelle Links gibt’s rechts in der Sidebar):

Tibet – Kultureller Völkermord
Joana Breidenbach hat hier einen anspruchsvollen und vor allem erfrischend differenzierten Artikel über die aktuelle Lage in Tibet veröffentlicht.

Umsatzsteuerrechtliche Behandlung des Sponsoring
Rechtsanwalt Stefan Winheller geht auf diverse steuerrechtliche Details ein, die man bei der Annahme von Sponsorengeldern beachten muss.

33 Prozent Plus für Fairtrade

Laut der Siegel-Initiative TransFair e.V. handelt es sich bei Fairtrade nach wie vor um eine Wachstumsbranche par excellence (via Karma Konsum).

Social Innovation Camp und andere “soziale Barcamps”
Mario Ruckh liefert Inspiration für das erste deutsche Socialcamp.

Birma-Aktion: Jetzt mitmachen!
Die Kampagne 2.0 nutzt hier aus aktuellem Anlass die neue Plattform für individuelle Charity-Aktionen Elargio.

Philantrophy 2.0 (englisch)
Video einer Diskussionsrunde des us-amerikanischem Who-is-Who der Weltverbesser-2.0-Szene. Mit dabei sind Kiva, DonorChoose, Facebook Causes, The Motely Fool und die Case Foundation. Die Qualität ist leider äußerst bescheiden, aber hörenswert ist es alle mal (via Tactical Philantrophy).

Einfach helfen: Kaufen und Spenden!
7.5.2008, 13:00 Uhr

Ursprünglich entstand die Idee Deutschland mit einer sozialen Internetplattform zu beglücken, als ich vor ca. 2 Jahren mehr oder minder zufällig über einige interessante Websites aus den USA gestolpert bin. Neben den hier schon öfters angeführten Networkforgood.org oder Volunteermatch.org, hatte mich damals insbesondere Igive.com fasziniert. Jene Seite macht das scheinbar Unmögliche möglich, indem man dort für eine gemeinnützige Organisation seiner Wahl spenden kann, ohne jedoch selber ins Portemonnaie greifen zu müssen.

Klingt erstmal unglaublich sowie unseriös, ist im Endeffekt aber ganz einfach: Eigentlich handelt es sich nämlich gar nicht um eine Spende, die initiiert wird, sondern um eine Provisionszahlung. Und diese wird auch nur dann ausgezahlt, wenn man bei einem der Online-Partnershops von Igive einkauft. Das hört sich jetzt vielleicht schon wieder viel weniger sexy an, wenn man aber bedenkt, dass Igive mit über 600 Onlinehändlern zusammenarbeitet, darunter Größen wie Ebay oder Expedia, dann hat die Sache meiner Meinung nach schon ihren Reiz. So ist es durch das vielfältige Angebot möglich, dass man praktisch bei jedem Einkauf im Internet, den “Umweg” über Igive nehmen kann, und damit quasi im Vorbeigehen und ohne irgendwelche Mehrkosten eine (kleine) gute Tat vollbringt.

Obwohl in den USA durchaus erfolgreich, haben ähnliche Modelle in Deutschland nie wirklich Fuß fassen können, wobei ich bis heute nicht sicher bin, ob das an hiesiger Mentalität bzw. Internetnutzung liegt, oder ob man einfach nie versucht hat das Modell wirklich professionell aufzuziehen (inkl. Promo). Soweit ich es mitbekommen habe, gab es hierzulande bisher 3 zumindest erwähnenswerte Versuche die Idee umzusetzen:

1. Planethelp.de
Die wohl älteste deutschsprachige Plattform in diesem Bereich (2001 gestartet), die in den letzten 7 Jahren immerhin 10.470€ für wohltätige Zwecke sammeln konnte (und noch mal so viel für sich selber). Obwohl die Seite nach einem Relaunch vor einigen Monaten nun endlich auch halbwegs zeitgemäß aussieht, ist es leider nie zu einem wirklichen Durchbruch gekommen.

2. The Care Club
Über dieses, inzwischen eingestellte, Projekt habe ich ja hier schon geschrieben, wobei sich der Ansatz doch nennenswert von Igive oder Planethelp unterschied, da man nur mit einer sehr kleinen Anzahl von Shops zusammengearbeitet hat und auch nennenswert an der Logistik beteiligt war. Was genau sich hinter dem Nachfolgeprojekt verbirgt, ist noch nicht ganz klar, aber zumindest finden sich auf dem Blog, auf den die Seite inzwischen verweist, einige interessante Beiträge zum Thema.

3. Zanox Fundraising@
Bereits vor einigen Jahren hat Zanox, einer der größten Affiliatevermarkter, eigene Fundraisinglösungen entwickelt, mit der sich jeder ein Shoppingportal für den guten Zweck einrichten kann. Obwohl anfänglich hoffnungsvoll und u.a. mit der Unterstützung von Alfred Biolek gestartet, ist es auch mit diesem Ansatz nicht zu einem Durchbruch gekommen. Inzwischen scheint sich niemand mehr wirklich um das Produkt zu kümmern, was zum einen durch nicht mehr ganz zeitgemäßes Design deutlich wird, zum anderen aber durch die wieder rückläufige Anzahl von Partnershops.

Auch wenn Helpedia nicht vorhat sich selbst in ein Shoppingportal zu verwandeln, so finden wir den Ansatz doch sehr spannend und haben uns inzwischen einen eigenen Fundraisingshop eingerichtet. Diesen könnt Ihr entweder über den Banner oben, den Shop-Verweis im Footer, oder direkt über http://shop.helpedia.org erreichen. Dort ist es möglich bei hunderten verschiedener Internetshops einzukaufen, wo man vom Buch, über den Handyvertrag bis zur Urlaubsreise wirklich alles bekommt, was das Shoppingherz begehrt und gleichzeitig eine Spende für Helpedia generieren kann. Letzteres ist übrigens mit keinerlei Mehrkosten oder sonst irgendeinem Haken verbunden. Unter den Shops befinden sich auch so namenhafte Player wie Amazon, Expedia, Air-Berlin, E-Plus, Otto… die teilweise über 20% des Einkaufspreises an eine gemeinnützige Organisation, in diesem Falle Helpedia, weiterleiten. Ich selber habe darüber kürzlich ein Spiegel-Abo für einen Bekannten bestellt und dadurch eine 20€ Spende an Helpedia ausgelöst. Wie gesagt, ohne jegliche Zusatzkosten - man bezahlt nicht mehr, als wenn man direkt auf die Seite geht. Die obligatorischen Prämie für die Vermittlung des Abonnements, in diesem Falle schlappen 85€, gab’s natürlich trotzdem. Falls Ihr also demnächst mal online einkaufen geht, dann denkt doch bitte an uns! ;-)

Nachtrag: Das Amazon gerade (mal wieder) aus dem Funraising-Verkausplattform ausgestiegen ist, kann ich allen die sich für diesen Shop interessieren folgenden Link ans Herz legen: http://amazon.helpedia.org. Alternativ ist im Footer (ganz unten) auch ein entsprechenden Link zu finden

Kiva.org - Mikrokredite selbstgemacht!
2.5.2008, 20:02 Uhr

Asha Bakari ist 22 Jahre alt, sie lebt in Tansania und ist die Besitzerin eines kleinen Geschäfts. Für dieses braucht sie dringend ein Darlehen, um ihr Sortiment zu vergrößern.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat sie ihr Projekt auf Kiva.org vorgestellt und es darüber geschafft, zusammen mit einer Gruppe anderer Geschäftsfrauen einen Mikrokredit zu bekommen.
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Was also ist Kiva?

Kiva ist eine Organisation, die es jedem Menschen mit Kreditkarte oder PayPal-Account über das Internet ermöglicht, Kleinstunternehmern in Entwicklungsländern Geld zu leihen.

Diese Gelder werden als Darlehn über die Kivaplattform an eine Partnerorganisation in dem jeweiligen Land vergeben, die diese an die ausgewählte Kreditnehmerin weiterleitet.

Da man als Kreditnehmer wie Kreditgeber auf Kiva mit eigenem Profil zu sehen ist, wurde die Seite auch schon als “Myspace der Entwicklungshilfe” bezeichnet. Dies mag allerdings nur auf den ersten Blick so erscheinen.

Bei Kiva handelt es sich nicht um ein Social-Network, denn eine Kommunikation der Nutzer untereinander ist nicht möglich. Im Mittelpunkt steht ganz klar die Darstellung der durch die Vergabe von Mikrokrediten entstandenen Geschäftsbeziehungen.

Kritische Stimmen behaupten jedoch, dass dies im Falle Kivas nicht zu erwarten sei, da Kivas Partnerorganisationen die Kredite zinslos erhalten (nicht jedoch die eigentlichen Kreditnehmerinnen) und es somit langfristig zu Marktverzerrungen und kontraproduktiven Abhängigkeitsverhältnissen kommen würde (ich verweise hier auf diesen Artikel auf Spiegel Online - auf den Basti hier noch etwas näher eingeht).

Trotz dieser Kritik entschied ich mich Kiva.org auszutesten, da mich die Idee einer einfachen, mikrokreditbasierten Unterstützung überzeugte.

Nun gut, und wie sieht das jetzt im Detail aus?

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