Wohl kaum jemandem mit Interesse am gemeinnützigen Sektor dürfte verborgen geblieben sein, dass eine der größten wohltätigen Organisationen in diesem Land, UNICEF-Deutschland (www.unicef.de), in den letzten Tagen eine Menge Kritik einstecken musste. Vom Spiegel, über Stern bis hin zu Bild Zeitung haben sich alle größeren Presseorgane diesem Thema angenommen und auch wir von Helpedia wollen diesen Vorfall als Anlass nehmen ein paar Worte zu schreiben.
Was ist passiert? Die Hauptvorwürfe bestehen in laxem Umgang mit den Spendengeldern und in mangelnder Transparenz. Was das großzügige Verteilen der Taler angeht, so muss ich gestehen hier hin und her gerissen zu sein. Wie diesem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zu entnehmen ist, sei es nicht wirklich zu Verstößen gekommen. Na ja, dass sich KPMG an den von UNICEF bezahlten Tagessätze von bis zu 850€ nicht stört, verwundert nicht, gehe ich doch davon aus, dass besagte Wirtschaftsprüfer selber oft deutlich mehr abrechnen. Andererseits tue auch ich mich schwer damit dies pauschal zu verurteilen. Das mag zum einen an meiner Vergangenheit in der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit liegen, wo Tagessätze für externe Berater von 850€ durchaus öfters vorkommen (ich bin da abgestumpft), zum anderen tue ich mich insgesamt mit der Einstellung schwer, Menschen unter Marktniveau zu bezahlen, nur weil sie sich für etwas Sinnvolles einsetzen. In der freien Wirtschaft sind derartige Löhne für gute und erfahrene Menschen durchaus üblich und mir ist nicht ganz klar, warum man weniger verdienen sollte, nur weil man sein ganzes Können dafür einsetzt benachteiligten Kindern zu helfen, anstatt sich eine Marketingkampagne für Handyklingeltöne auszudenken. Keine Frage, in einer idealen Welt bedürfte es keiner schnöden monetären Anreize um sich für das Allgemeinwohl zu engagieren, aber meine Sorge ist einfach, dass es nicht ausreichend Hardcoreidealisten gibt um die Welt so schnell voranzubringen, wie es meiner Meinung nach nötig ist.
Bevor ich mich hier aber um Kopf und Kragen schreibe oder gar dem Verdacht aussetze auch schon von derartigen Tagessätzen zu träumen, verzichte ich darauf die weiteren Vorwürfe im Detail zu besprechen, sondern widme mich lieber dem meiner Meinung nach wichtigerem Punkt: Der mangelnden Transparenz! UNICEF hätte sich vermutlich viel Ärger ersparen können, wenn es sein Geschäftsgebaren intern wie extern offener Kommuniziert hätte. Leider ist es in Deutschland auch für die größten Organisationen nicht verpflichtend den eigenen Jahresabschluss offen zu legen. Zwar gibt UNICEF jedes Jahr einen Geschäftsbericht heraus, aber dort findet sich, neben einem sehr oberflächlichen Zahlenwerk, nur der Verweis, dass es mit dem Jahresabschluss schon seine Richtigkeit hätte (S. 24). Echte Transparenz sieht anders aus und anstatt die Arbeit vom UNICEF-Vorstand und Komitee zu kritisieren, sollten sich Politikerinnen wie Anke Eymer (CDU) oder Monika Knoche (Linkspartei), lieber für eine Gesetzgebung stark machen, die für mehr Transparenz im gemeinnützigen Sektor sorgt. Durch die Möglichkeit Spenden von der Steuer abzusetzen, werden Organisationen wie UNICEF in nicht unerheblichem Maße vom Staat und somit von uns allen finanziert. Warum sollten deren Finanzen dann nicht auch der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden, wie es in anderen Ländern längst üblich ist.
Wir bei Helpedia sind gerade dabei weitere Funktionalitäten in die Plattform zu integrieren, die sich genau diesem Problem annehmen und hoffen damit bald einen konstruktiven Beitrag für die Diskussion liefern zu können.
Bis dahin will ich noch kurz auf eine andere Lehre aus den Geschehnissen eingehen, nämlich dass das oft blinde Vertrauen, welches man den großen etablierten Organisationen entgegen bringt, nicht immer gerechtfertigt ist. Anstatt dem zu spenden, der die meisten Plakate aufhängt oder die bekanntesten Prominenten einspannt (oftmals leider alles andere als Experten auf diesem Gebiet), sollte man sich lieber etwas Zeit nehmen und ein wenig Recherche betreiben. Wir hoffen hierfür mit Helpedia und unserer Organisationssuche einen guten Einstieg und bald auch noch mehr als das liefern zu können. Bis dahin freuen wir uns hier natürlich über jeden Kommentar oder jede Anregung von Deiner Seite.
Update: Per Email (Danke Kathleen) wurde ich gerade darauf hingewiesen, dass es auch in der Süddeutschen einen guten Artikel zum Fall UNICEF gibt.



















